Verboten isel…

Nicht, dass es in den insgesamt mehr als zwölf Jahren (brutto), die dieses Weblog nun besteht, jemals soweit gekommen wäre, dass ich das gebraucht hätte…

…und auch nicht, dass ich meinte, dass es wirklich was hülfe (ey, ein Konjunktiv!)…

…aber ich bin diesem Beispiel gefolgt und habe meine Nutzungsbedingungen ein wenig ergänzt – um eine Sonderregel für Printmedien. (Weil ich auch zickig sein kann und weil dies hier meins ist und ich machen kann, was ich will.)

In dem oben verlinkten Text steckt übrigens nicht nur nur die Vorlage für meine Änderung der Nutzungsbedingungen; der Autor beschäftigt sich im Folgenden vor allem mit der Fadenscheinigkeit (dem Fadenschein?) der Argumentation der Lobbyisten für das Leistungsschutzrecht: mit dem durchsichtigen Argument des Qualitätsjournalismus, der anders nicht zu bezahlen sei (egal, ob er vom Erlös eines LSR bezahlt werden könnte, egal, ob er auch wirklich geliefert würde). Und kommt zu der Zusammenfassung:

Lasst uns die Presse zwingen, wieder Journalisten anzustellen, die selbst recherchieren. Die vor Ort sind, die echte Pressearbeit machen. Doch dazu müssen wir das Monstrum, die Presse, auf Entzug setzen. Entzug von billig beziehbaren Texten, die von abhängigen Lohnsklaven umformuliert werden müssen, Entzug von angefütterten Themen, die nur Namen und Produkte in Gespräch kriegen sollen.
Dann bekommen wir auch wieder eine Presse, bei der es lohnt, sie zu lesen. Die man abonnieren und kaufen kann. (nochmal: Quelle)

Schöne Worte, die ich in meiner Eigenschaft als Blogger hier zitiere und unterschreibe. Aber ich lebe doch zu sehr in diesem (Medien-, Wirtschafts- und Gesellschafts-) System, um zu wissen, dass ein solcher Appell nichts nützt, solange das Medium Print kein tragfähiges Geschäftsmodell für das 21. Jahrhundert gefunden hat. Denn all die Journalisten, die tatsächlich Qualitätsjournalismus produzieren könnten, wenn man sie denn ließe, wollen dafür auch ganz gerne bezahlt werden. Und nein, es geht nicht nur darum, Eigentümer, Investoren und andere Schnitzelhalter (engl: Steakholder) umverteilend um ihren Anteil zu bringen. Der Anteil geht ohnehin flöten, wenn Print Deutschland nicht bald kapiert, wie man im Netz Geld verdienen kann.

Ich bin übrigens gerne bereit, in den Kommentaren eine heftige Diskussion über Journalismus als gesellschaftliches Grundbedürfnis und die damit zusammenhängende Daseinsberechtigung für öffentlich-rechtliche Medien zu führen. Aber nachdem wir hier ohnehin unter uns sind, sind wir wahrscheinlich einer Meinung, und das wird nix mit der Diskussion.

4 Kommentare

  • Moin, interessanter Ansatz. Den Xwolf werde ich mir jetzt mal zum Morgenkaffee zu Gemüte führen. Allerdings zeigt dein zweiter Quelllink wieder ins Impressum…

    Aber was bitte heißt „Verboten isel…“? Ich raff dat nicht. Wahrscheinlich brauche ich echt erstmal nen Kaffee.

    • Eins nach dem anderen: Der zweite Link zeigt tatsächlich ins Impressum, weil da die veränderten Nutzungsbedingungen stehen. Faul, wie ich bin, habe ich keine Sprungmarke direkt auf den betreffenden Absatz gesetzt – soll ich das nachholen? ist hiermit nachgeholt.

      Und „Verboten isel…“ (ich liebe kryptische Überschriften!) ist der Name von Ferkels Großvater in der ersten deutschen Übersetzung von „Pu der Bär“; dieser Großvater hatte ein Schild an seiner Wohnung, auf dem „Verboten is“ stand, was laut Ferkel die Abkürzung von „Verboten ise“ war, was wiederum die Abkürzung von „Verboten Isel“ sei, und das sei der Name dieses Großvaters gewesen.

      Und verboten isel (jedenfalls für Burda, Springer und Co) ab sofort, ungefragt aus diesen Seiten Inhalte zu übernehmen.

  • Erst einmal : Die Idee mit den geänderten Nutzungsbedingungen finde ich nur folgerichtig, da führt wohl kein Weg dran vorbei.
    Zur Debatte um den Qualitätsjournalismus kann ich vor dem dritten Kaffe und der vierten Zigarette leider nichts Kontroverses beitragen – danach unglücklicherweise auch nicht. Bemerkenswerterweise ist mir aber gerade heute Morgen ein Artikel untergekommen, bei dessen Lektüre ich dachte: Mensch, es geht doch! Ausnahmsweise keine unkommentierte dpa-Meldung, sondern wirklich was zu lesen. Anita Blasberg in der Zeit über Hannelore Kraft. Unabhängig davon, ob man nun etwas über die SPD lesen will oder nicht aber das hatte Gesicht und Farbe… sehr ungewöhnlich. Es gibt ihn vielleicht doch, den Kuh-Journalismus. Wie auch den von Constantin Seibt. Wo immer solche Texte erscheinen: Das will ich lesen – dazu braucht es kein »Geschäftsmodell«, sondern Autoren, die es können. Ein Teil der Wahrheit verbirgt sich sicherlich in Deiner Formulierung »wenn man sie denn ließe«. Misstrauen ist wohl angebracht, wenn die FAZ die Frankfurter Rundschau übernimmt, Massenentlassungen vornimmt und im selben Atemzug davon spricht, daß man an der politischen Ausrichtung der FR nicht zu rütteln gedenke. Spätestens bei der sinnlosen Insolvenz der FR-Druckerei, bei der 230 Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren, wird klar, daß es eben nichts anderes als ein Geschäft ist – die »weltanschauliche Ausrichtung« ist bereits hier auf der Strecke geblieben…

    • Nur ganz kurz, weil irgendwie in Eile: Natürlich gibt es diesen Journalismus, und natürlich wird er sich auch in Zukunft finanzieren – denn für solche Stücke wird sich ein gangbares Finanzierungsmodell finden (es muss ja keine Bezahlschranke sein, kann es aber), auch ohne dass man von Suchmaschinen oder zitierenden Bloggern Zwangslizenzen einfordern muss. Dieser von der Lobby durchgesetzte Automatismus ohne Sinn und Nachdenken, gegen den man die Beispiele mit den dpa-Originaltexten und den schlecht umgeschriebenen Pressemitteilungen so wunderbar anführen kann – der ist das wirklich Ärgerliche.