Medienforum 2.4 – Das Ende

Vorne auf dem Podium unterhalten sie sich gerade darüber, „wie Printmedien mit Blogs & Co. umgehen (müssen)“, und ich höre mit halbem Ohr zu. Als ich noch regelmäßig von Parteitagen und ähnlichem berichtete (Obacht, Opa erzählt vom Krieg!), war es meistens ähnlich: die letzten Minuten vor dem Absingen der Parteihymne (Sozialdemokraten) bzw. dem Schlusswort des Tagungsvorsitzenden habe ich vor allem genutzt, meinen Abschlussbericht zu schreiben und nur noch, s.o., mit halbem Ohr zuzuhören, um den Termin im Ü-Wagen zu schaffen und noch in die Nachmittagssendung zu kommen.

Der Ü-Wagen ist jetzt das Notebook auf meinen Knien, die Nachmittagssendung findet statt, wenn ich mit diesem Text fertig bin, und – und das ist der größte Unterschied – auch wenn ich weiterhin in den bezahlten Diensten eines Medienunternehmens stehe, ist der Redakteur, dem ich verantwortlich bin, identisch mit dem Autor: mit mir.

Blogs, Podcasts – das sind Individualmedien des 21. Jahrhunderts, die sich der neuen, netzgestützten Infrastruktur bedienen. Radio, Fernsehen, Presse – das sind institutionalisierte Medien, die zum Teil ins 18. Jahrhundert zurückgehen (oder zumindest heute noch den Eindruck machen), die sich auch der neuen, netzgestützten Infrastruktur bedienen wollen und wahrscheinlich auch müssen. Damit sind die Chancen zumindest theoretisch neu und gleichmäßiger verteilt, nicht aber – Achtung, Achtung! – die manpower und die brainpower dahinter. Darüber müssen die Verfechter von „Medien 2.0“ sich im Klaren sein: David steht immer einer ganzen Redaktion gegenüber, und wenn diese Redaktionen die Eigenheiten der „Medien 2.0“ verstehen (und eben nicht nur noch einen Verbreitungsweg suchen), dann wird’s eng für den Heimjournalist hinter dem Blog, dem Podcast. Oder – und das wird häufiger vorkommen, als wir es uns heute vorstellen – das Blog, der Podcast werden zum Einstieg in eine professionelle Medienkarriere.

Was lernen wir aus dem, was in den letzten drei Tagen hier gesagt wurde?

Nun, was Sie daraus lernen, weiß ich doch nicht. Was ich daraus gelernt habe: Ein Weblog ist eine Riesenchance – wie bisher auch. Ein Weblog wird künftig nicht nur aus Text bestehen, sondern multimedial sein. Ein Weblog bedeutet immer mehr Arbeit, wenn es mehr als ein Notizzettel oder Tagebuch sein soll.

Der Fernsehjournalist und -planer in mir hat gelernt, dass „Programm“ künftig durch „Content“ ersetzt wird (um präzise zu sein: das hat mir mein Kollege Guido Baumhauer in einer Tagungspause gesagt) – was eine Neukonfektionierung der medialen Inhalte einschließt und in einer größeren Auswahl für den Nutzer resultiert; diese Auswahl schließt auch Inhalte von, nun ja, Amateuren ein.

Und der Nutzer in mir hat gelernt, dass wir unsere Informationen zur Abwechslung nicht mehr aus immer weniger Medien beziehen (wir erinnern uns an das Zeitungssterben der 70er und 80er Jahre), sondern aus immer mehr. Stay tuned!