Medienforum 1.6

Und wieder sitze ich zwischen den Stühlen, und eigentlich sollte ich dankbar dafür sein. Bin ich aber nicht.

Erklärung: Ich berichte mehr oder weniger live vom Konvergenz-Kongress innerhalb des medienforums.nrw, und hier reden alle davon, dass jetzt zusammenwächst, was zusammengehört: Fernsehen kommt aufs Handy, Konsumenten werden zu Produzenten, Netz und Broadcast wachsen zusammen. Was nicht noch alles.

Der Witz dabei ist: Die Techniken wachsen tatsächlich – wenn auch nur zu einem gewissen Grade, den Rest trennen die Eigenheiten der Standards (DMB, DVBH, UMTS) schon zuverlässig – zusammen. Was nicht zusammenwächst, sind die Geisteshaltungen derer, die die Technik von heute heute nutzen und morgen die von morgen. Fernsehmacher wollen immer noch Fernsehen machen, in vielen Kanälen, mit speziellen Formaten (wer will schon Billard-Übertragungen auf seinem Nokia?), mit neuen Dramaturgien (dazu gleich noch was), aber eben: Fernsehen. „Wir produzieren, ihr guckt (und zahlt).“

Auf der anderen Seite die, die ich mal unter dem generischen Begriff „Blogger“ zusammenfassen will, obwohl es weit darüber hinaus geht. Diese Menschen schreien „Wir sind das Medium“, produzieren fleißig und manchmal sogar richtig gut in allen Formaten – und sind maß-los ent-täuscht, dass die Medienwelt der Zukunft der Medienwelt der Gegenwart ähnlicher sehen soll, als Blogger, Flickr & Co. es simulieren – nur, weil irgendjemand damit Geld verdienen will, und das eben nur oberhalb einer gewissen Größenordnung möglich sein soll.

Und ich? Ich sitze mitten drin, als Fernsehmacher und als Blogger, und finde es jammerschade, dass das neue Denken noch nicht eingesetzt hat.

Jetzt noch rasch eine Anmerkung zum Thema „Neue Dramaturgie“: Natürlich sehe ich ein, dass niemand mehr als ein paar Minuten auf einen Henndie-Bildschirm starren will oder kann – bei aller neuen Bildqualität wird man doch rasch dösig dabei. Natürlich sehe ich auch ein, dass, wer Fernsehen fürs Henndie machen will, dem Rechnung tragen und kurze Formate entwickeln muss. Aber warum, verdammt noch eins, erinnert mich das an all die radio consultants, die vor zehn, fünfzehn Jahren schon gepredigt haben, die Aufmerksamkeitsgrenze der Konsumenten läge bei einsdreißig?