Marketing by Accident

Man kann über die Firma mit dem angebissenen Apfel sagen, was man will (und das tun auch viele); dass sie ihr Marketing nicht im Griff hat, ist bisher noch keinem eingefallen. In der letzten Zeit, also seit ungefähr Anfang des Jahrtausends, hatte es mehr oder weniger so funktioniert:

  1. Die Apple-Gemeinde steigert sich in eine Erwartungshaltung hinein.
  2. Steve Jobs verkündet, unnachahmlich lässig, das Erscheinen eines neuen Produktes. Dabei ist es unerheblich, ob die Gemeinde mit diesem Produkt gerechnet hat oder nicht, oder ob sie es braucht oder nicht.
  3. Das Produkt kommt auf den Markt und revolutioniert ihn.
  4. Die Apple-Gemeinde gibt viel Geld aus, Apple verdient viel Geld.

Das hat so funktioniert mit iPod (Generation 1 bis jetzt, Größe groß bis nano), iPhone (Generation 1 bis 3GS), iPad, in etwas geringerem Ausmaß auch mit iMacs, MacBook Air etc.

Offenbar ist Steve Jobs das in der letzten Zeit langweilig geworden. Anders ist nicht zu erklären, was Apple mit der Vermarktung des iPhone 4 anstellt (und soll mir keiner erzählen, im Reiche Apple würden plötzlich grobe Schnitzer passieren!).

Also: Das angeblich in einer Bar verlorene iPhone war in Wirklichkeit ein Geniestreich (naja, fast – aber eben auch ein wenig durchsichtig) an viralem Marketing, inklusive denial, legal action und was nicht so dazugehört. Ergebnis: Hype und durchschlagender Verkaufserfolg – so, wie früher mit Geheimhaltung und Steve-Note erreicht.

Und auch die angeblichen Antennen- und Empfangsprobleme – ein Apple-Produkt mit einem schwerwiegenden Mangel? Sowas hat es seit dem Newton nicht mehr gegeben – sind garantiert nur eine weitere Spielart des New Marketing Designed by Apple. Und entweder überrascht uns Steve Jobs morgen mit einer verblüffenden Lösung für die Sache mit dem unbrauchbaren, wenn falsch angefassten iPhone – oder er überrascht uns noch viel mehr, zen-like, nahezu antiklimaktisch, mit einer ganz einfachen Erklärung:

It’s not a bug. It’s a feature.