Mail-Pfluftl

Pferdl. De hoaßn so, weils auf der Erde stengan. Sonst hoaßnts‘ Pfluftl.

Fredl Fesl, sehr lange her (1976 oder 1977)

Im Nacherzählen von Witzen anderer Leute bin ich gut. Aber zum Thema: Natürlich gibt es auch Pfluftl, also Pferdln, die sich in die Luft erheben können. Die heißen dann Pegasus und sind zuletzt als Spyware in Verruf gekommen, als sie dazu benutzt wurden, die iPhones wichtiger Menschen (!= ich) auszuspionieren. Ich aber bin einst mit einer anderen Software dieses Namens in Berührung gekommen. Und das führt uns zu etwas Software-Archäologe (siehe Artikelbild).

1995 war’s, als ich vergleichsweise kurz bei einem Ostdeutschen Rundfunk arbeitete. Dort gab es ein Redaktionssystem, das unbestätigten Gerüchten zufolge auf Lotus Notes beruhte, und ein Mailsystem, das nicht auf Lotus Notes beruhte, sondern als Mailclient Pegasus Mail einsetzte. Das war mein erster Kontakt mit „echter“ Mailsoftware; mein vorheriger Arbeitgeber hatte sowas (damals) gar nicht, und zuhause nutzte ich meine CompuServe-Adresse mit der zugehörigen Zugangssoftware, um niemandem Mails zu schicken, weil ich niemand kannte, der eine Mailadresse hatte.

Pegasus also. Eine Anwendung, um Mails zu lesen und zu schreiben, und sonst eigentlich gar nichts. Eine Schulung gabs nicht, aber offenbar war das Dings intuitiv genug, um damit die wenigen Monate zu arbeiten, bevor ich in die USA zog und dort Netscape Mail kennenlernte.

Später, als ich damit nicht mehr zufrieden war (und mit Outlook Express schon gar nicht – schauder!), sah ich mich nach anderen Mailclients um und erinnerte mich an Pegasus. Das machte Anfang der 2000er Jahre schon einen etwas vernachlässigten Eindruck – kein Wunder, offenbar war sowohl der Pegasus-Client wie auch der Mailserver Mercury das Werk eines einzelnen Mannes: David Harris.

Screenshot der Pegasus Mail-Website
Auch heute noch verströmt die Pegasus-Website den Charme der frühen Nullerjahre

Da auch Harris von irgendwas leben musste, Pegasus aber weiterhin kostenfrei abgab, schien die Entwicklung zwischendurch einzuschlafen. Als ich vor etwa zehn Jahren nochmal nachsah, bat Harris vor allem um Spenden, um Pegasus und Mercury weiterentwickeln zu können. Umso größer meine Überraschung, als ich heute – warum, wissen die Götter – wieder nach Pegasus suchte und feststellte: Pegasus lebt, Harris arbeitet immer noch daran, die aktuelle Version ist von Juni 2018, und ich könnte es sogar herunterladen und testen. Jedoch…

System requirements: Windows 7 poses no problems

Hm. Könnte sein, dass die system requirements länger nicht mehr aktualisiert wurden als die Software. Immerhin: Bis Windows Vista wird Pegasus unterstützt!

Aber ich bin ohnehin – und sei es aus Schiss – kein Software-Archäologe, der sich alte Artefakte (siehe nochmal das Artikelbild) auf den Rechner packt, nur weil es geht™. Und überhaupt sind Mailclients in meiner Welt nur noch auf mobilen Empfangsgeräten zu Hause. Auf dem Desktop gibt’s Webmail, und gut is‘.

Weshalb vermutlich auch der Test von The Bat! ausfällt, noch einem Mailprogramm aus jenen fernen Tagen, das es immer noch gibt. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.