Lokaler Müllversuch

Wegen der erfreulich erfolgreichen Proteste gegen eine Demonstration von Neonazis in unserer Nachbarschaft weitgehend unbeobachtet, fand gestern nördlich der Kreuzung Schönhauser Allee/Bornholmer Straße erstmals ein Versuch der sog. Micromüllverbrennung statt. Hierbei wird die Entsorgung von Hausmüll einerseits auf die lokale Ebene gebracht, d.h. lange Transporte von letztendlich wertlosem Material können entfallen; andererseits wird die Abwicklung in die Hände engagierter Mitbürger gelegt – so lassen sich künftig möglicherweise Personalkosten auf kommunaler Ebene reduzieren.

Der Modellversuch hat jedoch gezeigt, dass das Konzept zumindest starken Optimierungsbedarf hat. Der Abtransport der nun selbst zu Müll gewordenen Mülltonnen erfolgte wie gehabt per LKW; zusätzlich fielen Nacht- und Wochenendzuschläge an (richtig: die geschmolzenen Tonnen sind schon weg!). Darüber hinaus wurde die zuvor mühsam erarbeitete Mülltrennung bei diesem Versuch nicht ausreichend gewürdigt: Hausmüll, Verpackungsmüll und Altpapier wurden gemeinsam verbrannt.

Es wäre daher zu begrüßen, wenn die oben erwähnten engagierten Mitbürger ihre – möglicherweise aus dem Konsum klischeehafter HipHop-Videos gespeisten – Reformideen künftig zunächst an ihren eigenen Mülltonnen erproben, bevor sie damit an die Öffentlichkeit gehen.