Logistik-Kino

Fast hätt‘ ich vergessen Ihnen zu erzählen: Am Wochenende im Kino gewesen. Nicht geweint (Kafka), sondern mit kleinem Lächeln wieder herausgekommen aus The Lunchbox, einem indischen Film über zwei sehr unterschiedliche, aber ähnlich unglückliche Menschen in Mumbai, die durch einen sehr unwahrscheinlichen Fehler einander näher kommen, beinahe zueinander finden und dann doch wieder nicht.

Die Sache ist nämlich so: Ila, junge, unglücklich verheiratete Frau, schickt ihrem Mann jeden Tag das Mittagessen ins Büro. Um ihm wieder näher zu kommen, kocht sie die raffiniertesten Gerichte. Durch einen Fehler bei der Zustellung erhält jedoch Saajan, ein verbitterter Witwer kurz vor dem Ruhestand, das Essen. Weil Ilas Mann überhaupt nicht auf die Köstlichkeiten reagiert, legt Ila dem Essen eine Nachricht bei – die natürlich auch bei Saajan landet. Er antwortet, und es entwickelt sich ein lebhafter Nachrichten-die-dem-Essen-beigelegt-sind-Verkehr.

Ein schöner Film, der außerdem Appetit macht. Wir waren danach gleich indisch essen.

Entstanden ist die Idee zum Film, als Regisseur Ritesh Batra eine Dokumentation über die Dabbawala vorbereitete. Die Dabbawala spielen in The Lunchbox eine zentrale Rolle: Sie sind es, die schon seit über hundert Jahren (!) in Mumbai einen Lieferservice betreiben, bei den Kunden (oder auch in Restaurants) am Vormittag die Lunchboxen einsammeln, per Fahrrad und Vorortzügen in einem unglaublich ausgeklügelten System das Essen in die Stadt und der arbeitenden Bevölkerung bis an den Arbeitsplatz bringen. Die Lunchboxen werden dabei mehrmals umsortiert und auf die verschiedenen Züge und dann an die Fahrradkuriere in der Innenstadt verteilt. Und laut einem Forbes-Artikel machen die Dabbawala, viele von ihnen Analphabeten, dabei so gut wie nie einen Fehler und sind fast immer pünktlich: Nur eine von 8 Millionen Lieferungen kommt nicht korrekt an.

Eat this, DHL.