Liebes Tagebuch!

Mit begrenzter Freude habe ich heute festgestellt, wie sehr ich aus der Übung gekommen, und wie abhängig ich geworden bin. Aus der Übung, was das moderne Kunsthandwerk des Bauens von HTML-Seiten angeht, und abhängig von vorgefertigten Templates und/oder Themes.

Vor zwei oder drei Jahren habe ich die Pflege einer Webseite übernommen, deren Eigentümer von Technik keine Ahnung hat, und deren Eigentümer der ursprüngliche Webmeister abhandengekommen war. Der Seite sieht man ihre Entstehung in den ersten Jahren des Jahrtausends an, und der Code hat den Übergang von HTML 3.irgendwas über HTML 4 zu XHTML nicht wirklich gut vertragen. Für meine hauptsächliche Aufgabe aber fehlt mir jedes nur halbwegs komfortable Werkzeug: Aktualisierungen finden mit dem Texteditor tief im Spaghetti-Code statt.

Eine Art von CMS musste also her, und wenn wir schon mal dabei sind, eine völlig neue Site.

Und da bin ich jetzt. HTML schreibe ich zwar nach wie vor mit der Hand, und das für kleinere Aufgaben nötige PHP oder Javascript geht auch grade noch so. Aber das letzte Mal, dass ich eine Seite von Grund auf entworfen und umgesetzt habe, das war – wartemal – weia: im Juli 2003.

Seitdem arbeite ich also schon nur noch mit mehr oder weniger angepassten Templates. Für frühere Versionen von MovableType oder die gute alte pMachine konnte ich noch Templates schreiben; mit WordPress (der Volkswagen unter den Blogtools: brauchbar, aber längst zu kompliziert für alles jenseits des Reifenwechsels) oder auch Offline- Tools wie Rapidweaver (schicke Seiten, aber wehe, man hat eine Idee, die der Autor des Themes nicht hatte!) oder Online-Tools wie Jimdo (angenehm simple Online-Verwaltung und sogar die Möglichkeit eigener Designs, und schon geht die Arbeit wieder los) bin ich auf die Auswahl von verfügbaren Templates angewiesen. Und ja, ich weiß, dass ich eine faule Sau bin, die Seiten lieber hinrotzt, als sie liebevoll zusammenzuleimen.

Ich glaube aber, dass nicht nur meine Faulheit daran schuld ist. Web 2.009 (hihi, Zweinull und doch nicht Zweinull) bedeutet leichteren Zugang zum Web für alle; aber damit das mit ansehnlichen Ergebnissen klappt, müssen Profis Vorarbeit leisten.

Und nicht Amateure wie ich.