Liebes Mitvolk!

Die FDP findet auch Konjunktive auf Wahlplakaten doof.
Die FDP findet auch Konjunktive auf Wahlplakaten doof.

(Diese oder eine ähnliche Überschrift habe ich vor einigen Jahren schon mal verwendet – in einer ganz ähnlichen Lage.)

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, liebes Mitvolk, aber ich habe keine Wahl. Obwohl: Natürlich habe ich die Wahl, wie jedes Mal, wenn wir, du und ich, aufgerufen sind, unsere Stimme abzugeben, damit wir die nächsten vier Jahre sie möglichst nicht mehr erheben mögen. Es ist nur so, dass ich, so (relativ) kurz vor der Bundestagswahl, echt nicht weiß, wem ich sie geben soll, diese Stimme.

Kennst du, dieses Gefühl, gell, Wahlvolk?

Nur gut, dass einem Scheißbürgerlichen wie mir die Extremen auf beiden Seiten zu, nun ja, extrem sind. So fallen einige Möglichkeiten, politische Dummheiten zu machen, schon mal weg.

Und über die Zeiten von Lagerwahlen („du rechts, ich gut!“) sind wir zum Glück auch hinaus. Was die Sache aber nicht einfacher macht.

Denn was bleibt denn dann noch? Parteien, die so an der Macht hängen, dass sie selbst pures Unvermögen in ihren Reihen nicht weiter schlimm finden; ja, Schwarz-Rot in Berlin und Rot-Rot in Potsdam, ihr seid gemeint! Wobei die SPD ohnehin nicht gewinnen will, schon seit Jahren nicht mehr, was man an ihrer Kandidatenauswahl und am Verhalten jener Kandidaten im Wahlkampf mühelos erkennen kann.

Anders die Merkel-Union: Sie möchte gewinnen, das ja, aber Frau Merkel allein ist kein Programm.

Die FDP? Pu-leeze!

Und schon bleiben nicht mehr viele. Die Piraten mögen keine Oberpiraten, keine Mädchen, keine Arbeit (programmatische wie, in Einzelfällen, auch Erwerbs-) und eigentlich niemanden außer sich selbst. Und die Grünen…

Die sind inzwischen so scheißbürgerlich wie Yours truly.

Ich gebe gerne zu, dass aus diesen Formulierungen eine gewisse Verdrossenheit spricht. Wobei das, also Politikverdrossenheit, etwas ist, was ich mir nie erlauben wollte.

Womit sich dieser Text fast schon erledigt hätte. Wenn nicht noch ein paar Monate bis zur Wahl wären, in denen noch viel Unsinn passieren kann.

Stay tuned.

10 Gedanken zu „Liebes Mitvolk!“

  1. Aber exakt. Wählen setzt eigentlich „eine Wahl haben“ voraus. Gerade die Alt-Parteien erinnern an eine Bar wo du reinkommst und der Kellner sagt: „Was möchten Sie trinken, wir haben Cola, Cola, Cola oder Cola?“

  2. Wahlbegeisterung kommt eher nicht auf, wohl wahr. –

    Ich habe trotzdem vor, dieses Mal etwas zu machen, was ich mir schon mehrmals vorgenommen habe, dann aber nicht realisiert habe: Ich möchte mal das Programm der von mir favorisierten Partei lesen. Dann kann ich vielleicht genauer beurteilen, wie „scheißbürgerlich“ die Grünen sind. So scheißbürgerlich wie ich? Oder scheißer bürgerlich als ich? Mir bleibt noch das Argument: Bei den Grünen weiß ich, dass ihnen das Überleben des Planeten ein ernsthaftes Anliegen ist, zumindest den meisten von ihnen. Bei den anderen Parteien weiß ich entweder nicht, ob das der Fall ist – oder ich weiß, dass das NICHT der Fall ist. Und ich weiß jedenfalls, dass den einen ihre Arbeitsplätze, den anderen ihre Europa-Sitzungen, den anderen ihr freies Unternehmertum, den wieder anderen ihre Netz- und Pöbelfreiheit nichts, aber auch gar nichts nützen wird, wenn die Luft zum Atmen fehlt und wenn der Mensch ohnehin bis zum Hals im Wasser steht (zumindest in den ganz nördlichen Bundesländern……..).

    • Wahlprogramme sind komplett irrelevant. Gerade die Sozis und ihre Grünen Mehrheitsbeschaffer sind die großen Meister des „vor der Wahl links blinken und dann nach der Wahl rechts abbiegen“.

      Da schaut man sich lieber mal an: Was hat Rot-Grün gemacht, was hat GroKo gemacht, was hat Schwarz-Gelb gemacht. Und fragt sich:

      In welche Regierung wurde der Sozialabbau schön neoliberal voran getrieben? Wer hat den Weg für den Banken-Spaß bereitet? Wer hat die sinnlosen Kriege angefangen? Wer hat die schönsten Überwachungsgesetze auf den Weg gebracht?

      Und da kommt man dann zu manch einer überraschenden Erkenntnis jenseits von „das Wahlprogramm der Grünen sagt das und das der FDP sagt das“.

  3. Dass sowieso alle Parteien das Gleiche wollen, ist übrigens einer der ältesten linken Schnacks überhaupt. Wahrer wird das durch die jahrelange Wiederholung nicht. Ich kann jedenfalls zwischen dem Programm der Grünen und dem der FDP erstaunlich wenig Übereinstimmungen erkennen. Auch zwischen CDU und SPD würde ich nicht gerade von identischen Programmen reden.

  4. Keine üble Idee, das mit dem Diavortrag…….mal sehen. – übrigens Steige ich am 28., 29. und 30. März wieder in die Bütt, im Kookaburra Comedy Club, jeweils um 20.30 Uhr. Das nur als Kl.. Vorwarnung für die Vielbeschäftigten!

    Hrzlgr. kn

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