Liebe Geheimniskrämer…

…aus Politik und Wirtschaft, bevor ihr euch im Kielwasser der Wikileaks-Affäre mit ebenso engagiert wirkenden wie hirnrissig seienden Forderungen zum Deppen macht, hier einige Fakten zum Mitschreiben:

  1. Ja, weitgehende Kontrolle nebst Einschränkung des Informationsflusses ist möglich. Beispiele dafür sind die Volksrepublik China, die dito Republik Nordkorea und, um ein etwas weniger weit weg zu findendes Beispiel zu nehmen, die Islamische Republik Iran. Wenn ihr euch diese Länder und ihre Regierungen zum Vorbild nehmen wollt – nur zu! Aber gebt dann wenigstens zu, dass dieses Demokratie-Dings nicht das eure ist.
  2. Überall sonst ist das Internet, wie wir es kennen, nicht kontrollierbar. Das hat einen guten Grund. Das Internet, basierend auf einer Entwicklung, an der unter anderem das US-amerikanische Militär als Auftrag- und Geldgeber beteiligt war, ist so konstruiert, dass Informationen unter allen Umständen bereitgestellt werden, auch wenn das Netz teilweise ausfällt, gesperrt oder sonstwie kaputt ist. Um ein kontrollierbares, teilweise sperr- und abschaltbares Netz zu haben, wie ihr es euch wünscht, werdet ihr es euch schon selbst basteln müssen. Alternative: China (s.o.).
  3. Wer möchte, dass Informationen geheim bleiben, sollte wissen, wer Zugang zu ihnen hat. Ein eingeschränkter Benutzerkreis von 2,5 Millionen Menschen ist so gut wie uneingeschränkt; irgendeine loose cannon wird sich immer darin finden. Quod erat fucking demonstrandum.
  4. In der U.S. Army, in der FDP-Parteizentrale, und im Zweifelsfall überall sonst auch.
  5. Hysterisches Rumgeheule wirkt nicht sonderlich souverän. Das werden irgendwann sogar die US-Ultras kapieren. Irgendwann.
  6. Ach ja, richtig, Geheimniskrämer, ihr rechnet ja in Mehrheiten, die es zu gewinnen gibt: Seid euch nicht zu sicher, dass eure Mehrheit der Ignoranten noch lange hält. Mehrheiten können wechseln, gell, Herr Wowereit?
Gerne geschehen. Euer Erklärbär.