Let’s Have a Party!

Was tut man, um eine Sommererkältung (schnief!) zu durchstehen? Richtig, man liest den Spiegel (Totes-Holz-Ausgabe) und findet einen Artikel über den Niedergang der SPD im Besonderen und der Volksparteien im Allgemeinen. Mitgliederschwund bei beiden Großparteien, bei der SPD sogar in peinlichem Ausmaße.

Tscha. Und weil man als voll und ganz auf dem Boden der FDGO stehender Bundesrepublikaner der alten Schule (sprich: Wessi) ja immer noch an das Grundgesetz glaubt, im konkret vorliegenden Falle sogar ausnahmsweise mal an einen der gerne falsch ausgelegten Artikel, den über die Mitwirkung der Parteien an der politischen Willensbildung des Volkes nämlich, weil man also naiv-demokratisch daran glaubt, dass es in einer funktionierenden Demokratie ebensolche Parteien geben muss, macht man sich allmählich Sorgen.

Stell Dir vor, es ist Parteitag, und keiner geht hin. Keiner außer denen, de oiwei da hogga, den üblichen Verdächtigen also.

Erste Reaktion: Sollte man nicht – ein Vierteljahrhundert nach dem Austritt aus einer Partei – wieder in eine eintreten und mitspielen bei dem Spiel, das Demokratie heißt?

Zweite Reaktion: Sind Parteien – und zeigt uns das nicht die Unzufriedenheit selbst der Mitglieder mit ihren Vorsitzenden Merkel bzw. Beck – nicht selbst hoffnungslos old school, out, vergessen, vergraben?

Allein die Idee, sich in regelmäßigen Abständen in Gaststätten-Nebenzimmern im Ortsverein bzw. dto. -verband zu treffen… Been there, done that! Geht es noch weniger zeitgemäß – und deshalb auch noch weniger attraktiv für evtl. nachwachsende Interessenten?

Und komme mir jetzt keiner mit virtuellen Ortsvereinen! Schon mal so etwas De-spirierendes wie die Seiten der SPD gesehen? spd.de sieht aus wie von Kurt Beck persönlich mit FrontPage 98 gebastelt. Doch, ehrlich!

Ach geh mir doch weg.

Nee. Kreative Politik findet in Zukunft, fürchte ich, auf anderen organisatorischen Ebenen statt, wenn die großen Parteien nicht bald merken, dass das Netz kein elektronisches Flugblatt ist, sondern ein Forum im ganz klassischen Sinn. Man will ja nicht gleich von Basisdemokratie schwafeln; aber Partizipation ist nicht nur das main feature von youtube, Twitter, flickr und den guten alten, manchmal auch schon etwas verstaubt wirkenden Weblogs. Partizipation ist, was Demokratie leben lässt.

Zeit, wieder mehr Demokratie zu wagen (W. Brandt, no less).