Le Stack, reloaded

Nach zweieinhalb Jahren ist es erlaubt (oder besser: erlaube ich mir), ein Thema noch einmal aufzugreifen. Damals schrieb ich (nicht zum ersten Mal) unter dem Zwischentitel Le Stack über die damals gesammelten Erfahrungen mit Apps aus dem Googleversum. Der Anlass war mein zu der Zeit recht neues Androidgerät, ein Pixel 3, von meiner Tochter sofort und treffend (wieso eigentlich?) „Le Google Phone“ genannt, ein 2019 auf der Höhe der Zeit segelndes Shmartphone (segeln Shmartphones? Ich weiß es nicht…) – und weil ich gerade mal dabei war, ließ ich mich auf einen Testlauf im schon erwähnten Googleversum ein, GMail, Google Maps, Google Docs, Google Kalender, sogar Google Assistant und natürlich Chrome ein.

Ich zitiere (mich selbst):

Es hat Vorteile, wenn man seine Software-Produkte von einem Hersteller bezieht, noch dazu, wenn es einer ist, der sein Handwerk so beherrscht wie Google […]. Daten werden zuverlässig (denn das ist Googles Kernkompetenz, ob es nun für den Nutzer ist oder für Google) aus der einen Anwendung ausgelesen und in die andere dort importiert, wo es Sinn macht; der Google Assistant lernt erstaunlich schnell meine Angewohnheiten und Bedürfnisse…

Konstantin Klein, a.a.O.

Auf diese etwas unterkühlte Anerkennung der Vorteile einer aufeinander abgestimmten Arbeitsumgebung folgte damals aber das große ABER, das vor allem mit Googles Geschäftsmodell der Nutzerprofilerstellung zu tun hatte, das unausgesprochene Wort von „Wenn du nichts bezahlst, bist du nicht der Kunde, sondern die Ware“… äh, also eben nicht eingeschlossen (weil ja unausgesprochen), aber mitgedacht.

Warum ich das alles hier hinschreibe? Nun, wenn ich es nicht täte, wäre diese Seite recht leer, oder? Also.

For what it’s worth: Ich bin schon seit vielen Jahren ein Fan von It just works, was ich vor eben diesen vielen Jahren einer mäßig interessierten Leserschaft mitgeteilt hatte. Damals hatte ich das Mac/iPhone-Versum entdeckt, das ich recht bald (iPhone im Wasser versenkt, Mac-Festplatte sehr vorzeitig abgeraucht) wieder verlassen habe. Seitdem versuche ich, mit anderen Mitteln eine Umgebung im It just works-Stil hinzubekommen – mit wechselndem Aufwand und Erfolg. Mit Bezug auf meine aktuelle Digitalumgebung (Win10, iPhone, iPad, Chromebook – das eBook-Dings lassen wir mal außen vor) bedeutet das: Mail, Kontaktliste, ToDo-Liste, Kalender, Cloudspeicher auf allen Plattformen, gleich schnell und gleich zuverlässig.

Das geht. Das geht auch mit ohne Google, mit Open Source-Software und -Apps, mit mehr oder weniger großem Installations- und Administrationsaufwand, mehr oder weniger optischer und technischer Eleganz und nur gelegentlichem Knirsch.

Das ist also die Lage, als der Nachbar aus Neukölln – u.a. angefeuert von mir – nach einem Chromebook sucht und ein anderer, auf dessen Sachverstand ich ebenfalls eine Menge gebe, ganz nebenbei erklärt: „I love Chromebooks.“ Und wieder andere, auch sie nicht ahnungslos, mailen seit vielen Jahren mit und via Google, mal hinter eigenen Maildomains versteckt, mal offen.

Ja, aber der Datenschutz…? Ja, der Datenschutz. Ist schwer gegen den Komfort des „It just works“ abzuwiegen – weil diese beiden Kriterien in sehr unterschiedlichen Kategorien stattfinden. Und jetzt weiß ich auch nicht.

Discuss.

Nachtrag, am Morgen danach: Tatsächlich habe ich beim Schreiben dieses Textes vor allem an den Stapel von Google-Apps gedacht, und gleich der erste Kommentar ist ja darauf eingestiegen. Aber Google ist mit dieser Art des Kundenfangs der Kundengewinnung überhaupt nicht alleine. Microsoft, die 1997 nach dem Erwerb von Hotmail eine Zeit lang eine führende Rolle auf dem Webmailmarkt hatten, versucht seit Jahren mit Outlook.com, Google Kunden abzujagen. GMX und Web.de haben – ebenfalls schon seit Jahren – eine brauchbare Mail-Kalender-Kontakte-Lösung im Angebot. Open-Xchange hat sogar eine sehr brauchbare Lösung entwickelt, die ich zuerst bei mailbox.org entdeckt habe, die aber inzwischen auch beim Hoster dieser Seiten im Einsatz ist. Und dann fällt mir aus dem Hut noch Kolab aus der Schweiz ein, die mir freundlicherweise mal eine befristete Testlizenz ihres nicht ganz so billigen Angebotes zur Verfügung gestellt haben; leider hatte ich während der Frist keine Gelegenheit, wirklich zu testen.

Allen Angeboten, auch dem von Google, aber mit Ausnahme von Web.de (da bin ich mir nicht ganz sicher) und Kolab, ist gemeinsam, dass sie neben den Groupware-Funktionen auch noch Web-Office-Anwendungen mitbringen, und dass sie – mehr oder weniger – just worken. Allen ist darüber hinaus gemeinsam, dass wir Nutzer ihnen eine Menge persönlicher Daten anvertrauen. Und genau das ist, was wir selbst mitbringen müssen: Vertrauen.

2 Gedanken zu „Le Stack, reloaded“

  1. Guten Abend,

    nachdem ich ganz kurz noch meiner Freude, dass dieser Platz hier seit einer Weile nicht mehr still ist, Ausdruck verliehen habe (hiermit geschehen), möchte ich sagen bzw. schreiben:

    Persönlich habe ich die Entscheidung für mich getroffen – ich will das Google-Zeugs nicht. Und mag es noch so it-just-works sein. Ich wäre unter Umständen bereit zuzugeben, dass der gesamtgesellschaftliche Schaden, den das Googleversum anrichtet, nicht so groß ist wie, sagen wir, der des kürzlich anmaßend neu gegründeten Metaversums (wobei mich manchmal der Verdacht beschleicht, dass er nur für mich nicht ganz so offensichtlich ist.). Aber er ist groß genug, dass ich denke: Google is Evil™, und mit der verlockenden Simplizität dieser Weltsicht kann ich sagen: Ohne mich!

    (Der kleine Mann in meinem Ohr weist gerade, süffisant grinsend, darauf hin, dass ich natürlich ein Android-Handy habe, denn _so_ weit geht der Maso^WIdealismus dann eben doch nicht. Mist. Stimmt. Okay: _Fast_ ohne mich! Kontake im Handy, Kalender bei Posteo, gesucht wird mit Duckduckgo, …)

    Dem (in Richtung Google) geneigten Anwender würde ich gern noch mitgeben: Bedenkt bitte, dass es nicht nur Eure Daten sind, die Ihr verschenkt, sondern auch die Eurer Kontakte und Kommunikationspartner. Vielleicht ist das nicht jedem egal…

    Ciao
    Frank

    Antworten
    • Eine persönliche Entscheidung ist es – wenn es sich nicht gerade um ein Dienstgerät handelt (auf meinem ist z.B. die geballte, ähm…: Schönheit von Microsoftprodukten zugange) – ja immer.

      Und bei allem demonstrativen Herumgezweifele an dieser Stelle: Ich suche auch nie (noch nicht einmal auf dem Dienstgerät!) mit Google, sondern ebenfalls mit DuckDuckGo. Auch wenn die Ergebnisse dann eben von Bing/Microsoft kommen – ich hoffe, den Filterwirkungen und Anonymisierungen von DuckDuckGo vertrauen zu können. Und auch sonst kommen gewisse Googleprodukte bei allem Justworks nicht in Frage – nämlich alle, die zuhören. Aber das gilt ganz genauso für Alexa (grusel!) und Siri, die/den ich nach wie vor einfach für doof halte.

      Antworten

Schreiben Sie einen Kommentar