La Titude

Schon spannend, wie uns Google mit immer neuen Ideen immer schneller dazu bringt, immer mehr Daten im Austausch für immer lustigere, praktischere, atemberaubende (nein, dazu gibt es keinen Komparativ!) Dienste preiszugeben.

Aktuelles Beispiel: Google Latitude, früher einmal auch hier dazu verwendet, den aktuellen Aufenthaltsort von yours truly anzuzeigen. Im Grunde als Anwendung völlig Banane, denn wer will schon wirklich wissen, wo ich bin, außer – vielleicht – meiner Familie und mir selber, und uns ist das im allgemeinen bekannt. Mir selbst vielleicht noch am wenigsten.

Überhaupt ist das mit der augmented reality bisher eher eine Solonummer. Dass mein Telefon mir sagen kann, wo wir beide uns befinden, finde ich besonders toll, wenn

  • ich mich in einer fremden Stadt zurechtfinden muss (also z.B. in Spandau)
  • meine Tochter mich (in Spandau) ultimativ auffordert, sie jetzt zu McDonalds zu bringen, und mir das Telefon sagt, wo der nächste Mickey D. ist
  • das Telefon anhand der Ortsangabe gleich den richtigen Wetterbericht heraussucht (kann das iPhone das inzwischen eigentlich auch?), oder
  • ich sonstwie keine Ahnung von meiner Umgebung habe und desorientiert in die Wirklichkeit pliere.

Google Latitude brauche ich dazu nicht – ein GPS taugliches Handy genügt. Jetzt aber wird Latitude sozial: seit heute meldet sich mein Telefon selbsttätig und (nahezu) ungefragt, wenn einer meiner acht oder neun ebenfalls Latitude nutzenden Freunde in meiner Nähe ist – eine Anwendung, die in der Wüste Gobi und ähnlich übersichtlichen Weltgegenden immer noch Banane ist, für den sozial unterversorgten Großstädter aber durchaus von Wert sein kann; ein Ehepaar beim gleichzeitigen, aber getrennten Einkauf im Weihnachtsrummel könnte sich beispielsweise mit Latitude unauffällig und diskret aus dem Weg gehen, von wegen der Geschenke, die der/die Liebste nicht vorzeitig und so…

Das Leben als satellitengestützte Schnitzeljagd. Hmmm, Schnitzel… Wo war ich? Ach ja.

Natürlich verlangt Google dafür Eintritt – wie üblich nicht in der Form von Geld, sondern von Informationen. Und wie üblich muss sich jeder selbst überlegen, ob er bereit ist, für Dienste mit Daten zu bezahlen (ich habe dazu auch regelmäßig wechselnde Meinungen). Gezwungen wird dazu nämlich keiner.