Kein Kampf

Während Klein-Bloggersdorf in den letzten Stunden offenbar mehrheitlich Maischberger guckte (macht doch, was ihr wollt!â„¢), habe ich mir den arte-Themenabend „Manifeste des Hasses“ angesehen – zumindest die beiden Dokus „Mein Kampf – Geschichte einer Hetzschrift“ und „Die Protokolle der Weisen von Zion„, die anschließende Gesprächsrunde lag jenseits meiner Aufnahmefähigkeit.

Die Rezeptionsgeschichte der beiden Hetzschriften „Mein Kampf“ und des unter dem Namen der „Protokolle der Weisen von Zion“ bekannt gewordenen Pamphlets der zaristischen Geheimpolizei zeigt, wie sie nach wie vor in vielen Ländern der Welt für antisemitische und antiwestliche Propagandazwecke genutzt werden. Dabei wird die Editionsgeschichte von „Mein Kampf“ nachgezeichnet und offengelegt, wie die fiktiven Texte der „Protokolle“ immer noch von antisemitischen Gruppierungen als „historische Wahrheit“ und Erklärung für die Übel der Welt herangezogen werden.

Kurz gefasst: Ich bin wütend darüber, dass die antisemitische Fälschung, die sich „Protokolle“ nennt, heute noch soviele Gläubige findet; und ich nutze das Wort hier mit Absicht, denn vor allem im Umfeld von Religionen finden sich noch solche, die die Protokolle für ihre Ziele nutzen und weiter verbreiten.

Viel interessanter dagegen, weil zu nüchternen Fragen anregend, fand ich die Dokumentation von Antoine Vitkine über „Mein Kampf“:

Der Nimbus des Verbotenen fasziniert, und viele Fragen zu „Mein Kampf“ bleiben bis heute unbeantwortet: Unter welchen Umständen ist das Buch entstanden? Welche Rolle spielte es für die Machtergreifung Hitlers? Wie wurde es in Deutschland und wie zum Beispiel in Frankreich aufgenommen? Wie viele der Millionen Deutschen, die es besaßen, haben es tatsächlich gelesen? Offenbart es die Gefahren der Naziideologie? Gibt es eine Verbindung zwischen „Mein Kampf“ und der Shoah?

Und eine weitere Frage stellt Vitkine, bekommt sie aber selbst an der Quelle, im bayerischen Finanzministerium als dem Inhaber der Urheberrechte an „Mein Kampf“, nicht beantwortet: Warum ist es bis heute so schwer, das Buch legal in Deutschland zu bekommen? Etwa, damit nicht herauskommt, dass damals alle „es“ hätten wissen können, dass viel mehr Mitwisser da waren, als hinterher zuzugeben bereit waren, dass der Mythos der Nazi-Minderheit im Dritten Reich nur ein Mythos war?

Inzwischen fiel mir ein, dass ich vor mehr als sieben Jahren schon einmal vor einer druckfrischen Ausgabe des Buches stand und auch damals vom Kauf Abstand genommen hatte – wahrscheinlich aus Ekel vor dem Machwerk. Und jetzt denke ich darüber nach, was wohl in sieben weiteren Jahren passiert, wenn das Copyright der Rechtsnachfolger des Autoren H. verfällt und mögliche Verleger nicht mehr, wie in den letzten sechzig Jahren, mit der Copyright-Keule bedroht werden.

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