Jahrestag

5. Juli 1996. Heute vor zehn Jahren. Am frühen Nachmittag landet eine DC-10 der Northwest Airlines auf dem Internationalen Flughafen Dulles bei Washington, D.C. Unter den Passagieren: icke. In der Tasche ein Reisepass mit einem Journalistenvisum, die Reservierung für eine Woche im Hotel und für einen Mietwagen. Damit begann eine Zeit, in der ich vor allem beruflich dazulernte, das Leben von einer anderen, freiberuflichen Seite sah und die Welt von Amerika aus neu kennenlernte.

Das Amerika der Clinton-Ära, der langsam wachsenden Internet-Blase (von der damals noch niemand ahnte, wie groß sie werden würde, und wie plötzlich sie dann platzen und in sich zusammensacken würde), des Wohlstandes und der nur mäßig begrenzten Möglichkeiten hieß mich freundlich willkommen. Die erste Zeit war nicht ganz einfach, aber ich fühlte mich rasch zuhause in Northern Virginia, nur wenige Autominuten vom Zentrum einer damals noch offeneren Macht entfernt.

Ich erlebte den Jahrtausendwechsel in Washington, aber auch den 11. September. Ich erlebte heiße Sommer mit viel Licht, und ich erlebte kalte Winter mit anderthalb Metern Schnee auf den Straßen. Ich wurde zum Flugmeilen-Meister, und ich wurde zum Netzbürger. Ich träumte auf Englisch und fing an, Deutsch mit Fehlern zu sprechen (unglaublich affig, aber es war so). Ich lernte New York als meine zweite Heimat kennen. Ich verlor eine Familie und wollte es lange nicht wahrhaben, zu lange. Ich guckte US-Fernsehen und sah europäische Filmkunst mit englischen Untertiteln. Ich erlebte eine vitale Demokratie, und ich erlebte den Übergang von Clinton/Gore zu Bush/Cheney. Ich habe neue Freunde gefunden und eine andere Sicht auf die Welt.

Siebeneinhalb Jahre später kam ich nach Deutschland zurück. Aber die Zeit in Washington – mit allen Höhen und Tiefen – vergesse ich nicht. Danke fürs Zuhören. Und hiermit zurück zum ausgedruckten Programm.