Isopropylprophenyl…

Aus Gründen (Medikament nicht vertragen, allergische Schockreaktion, nichts wirklich gefährliches, eher unappetitlich und wg. Juckreiz sehnsüchtige Erinnerungen an die Szene wachrufend, in der Balu der Bär sich genüsslich den Rücken an einem Baum im Dschungel schubbert, aber ich schweife schon ab, bevor dieser Text überhaupt richtig begonnen hat…)

Aus Gründen also verbringe ich mal wieder einige Tage im Krankenhaus meines Vertrauens. Und obwohl mir wesentliche Aspekte dieses Biotops inzwischen bekannt und erklärlich sind (wo ist die Cafeteria, und warum schmeckt dort der Käsekuchen nach nichts?), gibt es eine Frage, die mich immer wieder nachts nicht schlafen (und stattdessen Blogtexte schreiben) lässt:

Wer denkt sich nur all diese mindestens viersilbigen Produktnamen aus, die man sich hier ständig merken muss (natürlich nur, wenn man nicht diese Krankheit hat, deren Name mir gerade nicht einfällt)?

Rückblick: Ich hätte schon als Kind misstrauisch werden sollen oder sogar müssen. Damals war aber die Welt noch einfacher. „Wir“ waren katholisch, tranken Nesquik und schrieben uns in der Schule die Finger mit Pelikan-Füllern blau. „Die anderen“, im konkreten Fall die Nachbarskinder, waren evangelisch, tranken Kaba und hatten Geha-Füller. Und „wir“ putzten unsere Zähne – wenn wir sie überhaupt putzten – eben mit Kolynos. Die Nachbarskinder nahmen wahrscheinlich Pepsodent, was weiß ich denn? Der Punkt ist doch: Kolynos?? Ich meine, in Pepsodent steckt doch wenigstens das lateinische Wort für Zahn und der Markenname eines Produktes, das viele Zahnärzte in der harten Zeit der sechziger Jahre über Wasser hielt.

Aber das ist lange her. Inzwischen gebe ich mich notgedrungen mit Produkten ab, die Markennamen wie Simvastatin tragen (ein Cholesterinsenker, nahezu selbsterklärend, ist es nicht?) oder Ramipril, was keine Mischung aus Margarine und Spülmittel ist, sondern ein Blutdrucksenker. Unter dem Namen Metoprolol kommt mein Betablocker fast ebenso polternd daher wie das Konkurrenz-Generikum Beloc-Zoc Herz, dass man gleich noch eingeschüchterter ist, wenn es zu „eingeschüchtert“ überhaupt einen Komparativ gibt.

Alle diese Namen konnte ich mir aber in den letzten sechs Monaten antrainieren. Und auch Lamotrigin ist mir inzwischen ein Begriff – vor allem, weil dieses Anti-Epileptikum (wogegen sollte ich das gerade noch mal nehmen?) derzeit der Hauptverdächtige für meine Allergie ist, und ich merke mir die Namen meiner Feinde…

Aber was habe ich getan, wenn ich im Krankenhausbad ohne Brille herausfinden muss, ob ich nun Lifosan oder Softa-Man zum Händewaschen nehmen soll? Ich meine, Softa-Man klingt ein wenig wie das Gegen-Cialis, aber als langjährig Werbeberieselter weiß man doch, dass „man“ vom lateinischen Wort für Hand kommt, und soft soll die Hand ja sein.

Falsch. Softa-Man ist das Desinfektionsmittel. Die Seife heißt Lifosan.

2 Gedanken zu „Isopropylprophenyl…“

  1. Simvastatin klingt ja für mich irgendwie nach Löwenkönig, obwohl der wohl Simba-Konstantin heißen müsste. Aber als medizinisch Fünfachtelgebildeter weiß ich, dass es sich um einen Alpha-Blockbuster handelt, also eine Art Megatonnenbombe, mit der die Pharmariesen noch jeder Krankenkasse den Tresor gesprengt haben. Du wirst wissen, ob Du Dein Cholesterin (klingt das nicht auch wie ein Pharmakon?) wirklich senken musst, man liest ja viel darüber, dass diese Statine vor allem der Gesundung der Aktionäre dienen…
    Aber zum Punkt: Wir sollten alle dankbar sein, solange wir keine Pillen oder Infusionen bekommen, deren Namen auf -inib oder -mab enden. Daran erkennt man die Tyrosinkinase-Hemmer und monoklonalen Antikörper, mit denen versucht wird, das Leben wirklich todkranker Zeitgenossen für den Gegenwert eines Dreifamilienhauses in der Rhön um ein paar Monate zu verlängern.

    Darauf ein Fläschchen Isopropanol.

  2. So und jetzt warte mal auf den Tag wo deine Tochter, mit solchen Worten um sich schmeißt (und dabei hoffentlich weiß wovon sie redet), und dich dann verständnislos und ungläubig anstarrt, weil du mal wieder die Hälfte nicht verstanden hast.

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