Isch ver-schwör

Manchmal braucht es nur einen einzigen Tweet, dass ich mich so richtig aufregen kann:

…wobei das Objekt meiner Aufregung nicht der geschätzte Kollege Sixtus ist, sondern der Verschwörungstheoretiker an sich, die Menschen, die mit großen, gläubigen Kuhaugen zu ihm aufsehen, sowie die Zeit, die ich und andere mit Verschwörungstheorien verplempern: andere, um sich durch die öffentliche Verteidigung derselben lächerlich zu machen, ich, weil ich mich über solchen Quatsch aufrege.

Wir merken uns: Verschwörungstheorien erklären einen Sachverhalt ausnahmslos ungleich komplizierter, als er aller Wahrscheinlichkeit ist oder war. Verschwörungstheorien dienen vor allem dazu, ihren Anhängern die Auseinandersetzung mit einer unbequemen Wahrheit zu ersparen und ihnen so ihr selbst- oder fremdgestricktes Weltbild zu erhalten. Und Verschwörungstheorien haben – je umfassender der mutmaßliche Skandal, den sie zu erklären behaupten, desto mehr – den Nachteil, dass sie auf der Annahme beruhen, die Teilnehmer einer Verschwörung könnten über Monate, sogar Jahre hinweg die Klappe halten und dafür sorgen, dass die Verschwörung geheim bleibt.

Freunde, wenn inzwischen sogar Dinge wie die NSA-Schnüffeleien ans Licht kommen, die von professionellen Geheimhaltern ersonnen und umgesetzt wurden, also von denen, die qua Ausbildung und Amt für Verschwörungen prädestiniert wären – wie kommt es, dass eure jeweilige Lieblingsverschwörung, von 9/11 bis Maidan, immer noch unbestätigt geblieben, also nichts mehr als eine Theorie ist?

Es folgt eine Meta-Verschwörungstheorie: Verschwörungstheoretiker haben sich verschworen, blühenden Unsinn in die Welt zu setzen, damit wir uns damit befassen und nicht so intensiv mit den eigentlichen Skandalen dieser Welt beschäftigen.

Ist natürlich Quatsch, wie jede Verschwörungstheorie.