Im Rückspiegel

Weil ich gerade, einem allgemeinen Trend (?) folgend, in der c’t retro (nicht im Heise-Shop gefunden – bekommen Abonnenten die vorab?) schmökere und dabei auch im Wortsinne alten Bekannten aus der Technikwelt begegne, hier eine alles andere als vollständige Aufstellung meiner fortdauernden Annäherung an IT-Hardware:

  • Am Anfang dieser Annäherung stand eine Lisa. Sie stand in einem Raum der Deutschen Journalistenschule in München, und sie wurde eifersüchtig bewacht von Werner Meyer, Dozent und Chefreporter der Münchener Abendzeitung, der uns Journalistenschüler erst an die Lisa lassen wollte, wenn er sie fertig konfiguriert hatte. Das dauerte offenbar länger als erwartet, und irgendwann war die Lisa (offenbar ein Leihgerät) wieder weg. Die Annäherung bestand also nur aus ein paar neugierigen bis sehnsuchtsvollen Blicken.
  • Jahre später hatten ich, inzwischen ausgebildeter Journalist, und meine Kollegen plötzlich beigefarbene Monitore und beigefarbene Tastaturen auf unseren bis dahin vor allem von Papierwust dominierten Schreibtischen: das erste Redaktionssystem in unseren Berufsleben, und noch dazu eines, das auch bei CNN im Einsatz war (ehrfürchtiges „Booohhh“!). Die Boxen waren Terminals, sie konnten nur Text, und eigentlich sollten wir damit nur Agenturmeldungen gucken und drucken, Texte schreiben und (später) Sendungen damit planen. Da BASYS (so der Name des Systems, wenn ich mich recht erinnere) aber auch Direktnachrichten an einzelne Userinnen und User verschicken konnte, fand auch das reichlich statt und lenkte uns von der Arbeit ab.
  • Als ich für die letzten sechs Monate der DDR noch schnell Korrespondent in der Hauptstadt der Republik wurde, bekam ich sogar einen echten (!) Laptop (!), einen Compaq mit 286er CPU, monochromem (blau auf weiß) Textbildschirm und der theoretischen Möglichkeit, mich von meinem Büro in der Leninallee (heute Landsberger Allee) ins Redaktionssystem in Schöneberg einzuloggen. Wer die Verfügbarkeit und die Qualität der Leitungen der Deutschen Post der DDR kannte, wird verstehen, dass es im Zweifelsfall schneller war, den Compaq mit ins Auto zu nehmen und mit Hilfe des Journalistenvisums an den Warteschlangen vor der GÜSt vorbei in den Westen zu fahren.

Laptop Compaq.JPG
By Łukasz KarolewskiOwn work, CC BY-SA 3.0, Link

  • Wieder Jahre später hatte ich meinen ersten IBM-kompatiblen PC zuhause und ein Modem und einen CompuServe-Account. Hohe Telefon- und Online-Rechnungen waren die Folge. Und wenn mein Gedächtnis mir keinen Streich spielt, war meine erste nutzbare Mailadresse 100140.2267@compuserve.com.
  • Etwa zur gleichen Zeit arbeitete ich das erste und einzige Mal in meinem Leben vollzeit für einen Privatsender, und weil sich auch in der Medienbranche Startups benehmen, wie sich Startups eben benehmen, flog das auf Windowsrechnern laufende Redaktionssystem schon nach drei Monaten mitsamt der Windowsrechner aus der Redaktion und wurde durch NeXT-Workstations zum fünfstelligen Stückpreis ersetzt. Die schriftliche Redaktionsarbeit ließ sich auch damit erledigen, wenn auch auf Monochrombildschirmen, aber die Investition war für den Eimer, weil die angestrebte Audiobearbeitung bis zu dem Tag, an dem ich die Firma verließ, nie funktionierte. Das rausgeschmissene Windows-Redaktionssystem traf ich übrigens bei meinem nächsten Arbeitgeber gleich wieder, und dort lief es astrein (und erheblich billiger als die NeXT-Stations).
  • In den Jahren drauf und seither wurde es ein wenig unübersichtlich. Eine Reihe von neuen und gebrauchten Desk- und Laptops, Funkquatschen und so folgte, irgendwann das erste iPhone, das ich nach einem halben Jahr in den Neuen See im Berliner Tiergarten schmiß (nicht mit Absicht), der erste Mac (Mac Mini) und etwas später mein erstes und letztes Dienst-iPad. Interessanter war zu der Zeit schon die Softwareseite von’t Janze…
  • Noch während die Welt unter Windows 9x ächzte, probierte ich an und mit Linux, wie es auch ohne Windows gehen würde: mit Corel Linux, Mandrake Linux, SuSE und schließlich Ubuntu. Zwischendurch hatte ich so meine Mac-Phase, und jetzt interessieren mich Betriebssysteme auch nicht mehr so wahnsinnig, weil und sie sind einfach da.

Aber das ist – wie auch meine Zeitreise durch meine Geschichte der Blogsoftware – eine ganz andere Geschichte.

1 Gedanke zu „Im Rückspiegel“

  1. In my comment with your previous post, I’ve admitted to having followed (almost) all episodes of WDR Computerclub. The two Wolfgangs were a sight to behold as they tinkered with obscure hardware and made it all work. Fascinating, sure, but way above my head.

    Decades ago my government ran a nationwide programme to promote private computer (then in its infancy) use by enabling (large) employers to sponsor computer hardware purchases made by their employees. My brother-in-law bought a (sponsored) PC running DOS and through him, I experienced my first close contact with a computer. Long story short: it was horrible!

    But my interest was piqued and I began to read computer magazines. At some point in time, I read a small illustrated article about the Macintosh user interface. That seed was planted in my brain and I frantically started saving up in order to buy my first Mac, then priced outrageously (more than € 9.500 in today’s money).

    I’ve been a proud Mac fanboy ever since!

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