Ich bekenne

Ich tu ja nur immer so cool. Im Grunde bin ich ein Weichei, bei Bedarf durchaus auch als Jammerlappen zu gebrauchen. Das äußert sich gelegentlich im Kino (oder auch, wenn zu zweit, vor dem Fernsäh), wenn – nicht nur bei Filmen von Eric Rohmer – mir die Tränen die Bäckchen hinunterkollern. Ich bin, glaube ich, der Einzige, der selbst bei Star Trek-Filmen vor Rührung heult. (Coming to think of it: Bei den Rohmer-Filmen heule ich eher vor Langeweile.)

Am besten kennt aber mein Zahnarzt mein Weicheitum. Ich habe deshalb schon mehrfach denselben gewechselt, bis ich jetzt, vor einem Jahr, bei einem Fachzahnarzt für Weicheier gelandet bin (Kontaktadresse auf Anfrage, diskret, bei Bedarf im neutralen verschlossenen Umschlag).

Der Mann (bzw. das Team aus zwei Zahnärztinnen und einem Zahnarzt) bietet auf Wunsch Entspannungsmusik und Hypnose, geht mit Akupunktur gegen Würgereize vor, hat an mir auch schon mal routiniert eine Schock-Erstversorgung gemacht (ich sagte ja: Weichei!) und ist der einzige mir bekannte Zahnarzt, der es beherrscht, schmerzfrei (!) eine Betäubungsspritze zu setzen.

Und doch bin ich auch diesem Mann gelegentlich böse, zum Beispiel, wenn er ganz trocken feststellt, dass aus der geplanten einfachen Karies-Behandlung (1. bohren, 2. füllen) jetzt doch eine vollständige Wurzelkanalbehandlung wird. Hurra, Anästhesie, und ab geht die Luzie.

Stichwort Luzie: Meine Großmutter väterlicherseits, Lucie war ihr Name, Gott habe sie selig, war mit 73 zum ersten Mal in ihrem Leben beim Zahnarzt. Das Leben ist ungerecht.