I Want a New Duck

New ducks (Symbolbild)
New Ducks (Symbolbild)

Große Abweichung vom eigentlichen Thema, noch bevor der Beitrag überhaupt angefangen hat: Vor vielen, vielen Jahren gab es eine Band mit dem Namen Huey Lewis & the News. Diese Band hatte einen Hit mit „I Want a New Drug“ und einen Prozesserfolg, als ein Richter urteilte, der Titelsong zum ersten Ghostbusters-Film sei ein Plagiat davon. Kein Plagiat, sondern eine Parodie war „I Want a New Duck“ von „Weird Al“ Yankovic. Und obwohl ich gestern zum x-ten Mal in einer SEO-Schulung gelernt habe, dass man Google zuliebe sowohl den Titel wie auch die ersten Zeilen eines Online-Artikels mit themenrelevanten Schlagworten nur so zuballern soll, schreibe ich lieber solchen Schmonzes über neue Enten.

Denn natürlich sind mir Enten wurscht. Was wir brauchen, mehr denn je, ist eine neue Politik. Das ist nicht nur meine Erkenntnis nach dem Schock vom letzten Mittwochmorgen, als die Welt überrascht feststellen musste, dass die USA entweder mehrheitlich von Idioten bewohnt wird, oder dass sie eben nicht von Idioten bewohnt wird, sondern von Menschen, die mit der bisher praktizierten Politik so wenig anfangen können, dass sie mit Hilfe des antiquierten Wahlsystems der USA lieber Donald Trump zum Präsidenten wählen als irgendjemand, der von Politik eine Ahnung hat, weil er in der Vergangenheit tatsächlich Politik gemacht hat.

Seitdem schwirren die Argumente durchs Netz und durch meinen Kopf. Man müsse mit den angry white men (im Falle Europas: mit den selbst so genannten „besorgten Bürgern“) reden und sie einbeziehen – was nicht einfach werden wird, wenn diese Gruppen sich einem Dialog, wie der Rest der Menschheit ihn versteht, verweigern. Oder man müsse Widerstand leisten – wie Michael Moore es vorschlägt, oder eben so:

(Und wenn sich die Redaktion von Last Week Tonight endlich entscheiden könnte, ob sie das Video online stellen, nur in den USA online stellen oder ganz von YouTube entfernen möchte, wäre es mir auch recht.)

Dazu kommen – aus den USA – unzählige Vorschläge, wie die beiden großen Parteien aus dem jeweiligen Trümmerhaufen wiederauferstehen könnten, sollten und müssten. Alles gut und schön. Es blieben doch die Demokraten und die Republikaner, und auf unserer Seite des Atlantik bleiben es doch die Konservativen, die Sozialdemokraten, die gelben, grünen oder pinken Liberalen – alles Parteien, die bisher nicht den Anschein machen, als wüssten sie, wie sie mit der Politikverdrossenheit 2.0 (oder 3.0, 4.0 oder was auch immer) umgehen und mit den von ihr Befallenen in irgendeine Form von Dialog treten könnten.

So bitter es ist: Die Neuen Rechten fordern die Demokratie as we know it heraus, auch wenn und gerade weil sie sich auf den Marsch durch die Institutionen gemacht haben und im Falle DJT schon ganz oben angekommen sind. Und wir Demokratiegläubigen der alten Schule stehen ratlos davor, machen uns Gedanken, ob sich die Geschichte tatsächlich wiederholt, und jammern: ojeojeoje.

Ich will etwas unternehmen, will unsere Gesellschaft, unsere Demokratie reformiert und für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts fit gemacht sehen – so fit, dass die Neuen Rechten keine Chance mehr haben und sich zurück in ihre Löcher verkriechen müssen.

Das Problem dabei ist nur: Ich weiß nicht, wie das gehen soll. Mitglied in einer etablierten Partei werden und dann zusehen, wie sie sich in den Auseinandersetzungen von gestern verwickelt? Nö. Mitglied in einer Partei neuen Typs werden? Das hatte ich schon mal mit den Piraten, und das mit dem neuen Typus hatte sich rasch erledigt. Gegen die Neuen Rechten anschreiben? Aber immer gerne – hilft nur nichts, solange sich die Gesellschaft immer mehr in filter bubbles kompartmentisiert (ist das überhaupt ein Wort? Egal.).

Ich fürchte, wir müssen zuallererst die filter bubbles sprengen. Mit unseren eigenen ist das noch relativ einfach, wenn auch vielleich unappetitlich (wer liest oder hört schon gerne totalitären Mist?). Mit den Blasen der anderen… das ist die Herausforderung. Und über die aktive Teilnahme an Demokratie über die regelmäßige Stimmabgabe hinaus reden wir, wenn ich dazu Einfälle habe.

Warum ich Alter Zausel™ plötzlich wieder das Gefühl habe, dringend etwas tun zu müssen? Weil die Alterklasse der Zausel inzwischen Kinder oder sogar Enkel hat, denen wir die Welt in einem brauchbaren Zustand übergeben sollten – was auch so’ne Ideen wie Demokratie und Freiheit angeht.

Vorerst denke ich nur laut, das ist alles.

2 Gedanken zu „I Want a New Duck“

  1. Lieber Konstantin,

    vor allem sollte man sie als Person nicht herabsetzen und ausgrenzen, meine ich, schließlich sind sie nicht von einem stinkenden Planeten gefallen, sondern unter uns aufgewachsen. Ihre menschenfeindliche Haltung – und das gilt aber auch für die radikalen Linken, die sich intellektuell besser tarnen können – will ich aber immer aufdecken und zurückweisen.

    Meiner Erfahrung nach fliehen Menschen in Dogma und Demagogie, wenn Ihnen Orientierung und ein gesundes Selbstwertgefühl fehlt.

    Den ganzen Tag könnte ich Dinge aufzählen, die mich in den Wahnsinn treiben könnten. Und ein Blick in die Medien würde mich dabei nur bestärken, lieber heute als morgen aus dem Fenster zu springen. Andere Menschen lassen lieber andere über die Klinge springen. Wer aus der Angst um sich selbst lebt, geht über Leichen.

    Ein Gegenangebot zum täglichen Katastrophensumpf ist vielleicht hilfreich: Positive Alternativen aufzeigen, ohne andere herabzusetzen. Ich meine nicht unbedingt einen Positiven Journalismus, aber ein einladendes Angebot: deutlich, aber voller vorbehaltloser Zuneigung allen Lesern gegenüber (Personen nicht mit Meinungen verwechseln.). Man müsste es – in Gegensatz zur Politik – schaffen, Menschen für etwas zu begeistern.

    Wie das genau aussehen kann, weiß ich auch nicht. Aber ich denke schon sehr lange darüber nach, besonders dann, wenn ich diese „Immer-mehr-Nachrichten“ lese: Immer mehr Ausländer, immer mehr VW-Motoren, immer mehr Kinder, immer mehr Politiker etc.

    Mich würde auch nicht wundern, wenn Menschen, die schlauer sind als ich, herausfänden, dass einige Journalisten ihre Arbeit nicht gut machten, was bei der Bedeutung ihrer Arbeit äußerst schade wäre.

    Wenn Du klarer siehst, was Du machen möchtest, lass es mich gerne wissen. Vielleicht möchte ich ja mitmachen.

    Liebe Grüße aus Köln
    Christian

    • Und warum freue ich mich so über diesen Kommentar? Einerseits des Inhalts wegen, das ja – andererseits aber vor allem deshalb, weil ich das Gefühl habe, doch nicht einfach in einen große, leeren, dunklen Raum hineinzuschreiben. Bisher habe ich für diesen Text eine kleine Handvoll Facebook-Likes und eine aufmunternde Signal-Nachricht von meiner Tochter bekommen – beides hat mich auch gefreut, aber dafür, dass das ein wichtiges Thema ist, hatte ich doch den Eindruck, höflich ignoriert zu werden.

      Das ist jetzt anders geworden. Und vielleicht fällt mir ja ein, was ich gegen den beschriebenen Missstand unternehmen könnte.

      Stay tuned. Oder diskutiert mit.

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