Herdentrieb

Es hat so seine Gründe, warum Schafe sich in der Herde wohlfühlen: sie sind nicht allein, sie werden versorgt und geführt, sie kommen regelmäßig zum Friseur, und allergisch gegen Wolle sind die allerwenigsten von ihnen.

Was das mit sozialen Netzen im Netz zu tun hat? Nichts, gar nichts…

Was ist passiert?

In den vergangenen 24 Stunden war hier, gleich am oberen Ende dieser Seite, Unglaubliches zu sehen, wenn auch nur gerade mal fünf Minuten lang: die social bar von Google. Die social bar ist im Grunde nichts anderes als eine platzsparende und etwas elegantere Variante von Googles Friend Connect; der Mensch kann sich darin einloggen und „Mitglied“ einer Site werden, er kann Kommentare in einer Shoutbox hinterlassen, und er kann sehen, wer sonst noch aus der Bekanntschaft hier vorbeigeguckt hat – vorausgesetzt, dieser Sonstnoch hat ebenfalls die social bar benutzt und sich angemeldet.

Sonderlich sozial klingt es nicht, eher wie eine noch nicht so ganz ausgereifte Spielerei, der Versuch, nicht hinter ähnlichen Konzepten anderer Communities zurückzufallen.

Und was ist daran so falsch, dass ich es nach einem kurzen Selbstversuch („yepp – klappt“) wieder von der Seite gekegelt habe? Schließlich sollte ich den wenigen Lesern doch etwas Nestwärme gönnen – hallt doch sonst nur so hohl hier.

Das ist es ja: Falsch ist daran nichts. Klar, Google ist die böse Datenkrake, und wir aufrechten informationellen Selbstbestimmer müssen alle Daten vor der Krake schützen. Nur dass ausgerechnet bluelectric.org sicher nicht Googles Hauptdatenquelle werden würde, und dass es dazu ohnehin zu spät ist. Stattdessen haben wir es bei Google-Diensten mit Produkten zu tun, die so eng mit Technik und Geist des Netzes im Jahr 2009 verbunden sind, dass sie nahezu als Synonyme dastehen können. And that’s a good thing, mehr oder weniger.

Warum also nicht? Wirklich konsequent gegen fremdgehostete Daten und Dienste bin ich nicht (mal ernsthaft: auch der eigene Mietserver ist fremdgehostet, und keiner weiss, was damit passiert, wenn man gerade nicht hinguckt, also die meiste Zeit). Konsequent gegen Google bin ich erst recht nicht, auch wenn meine Begeisterung ein wenig abgekühlt ist. Und ein soziales Geflecht finde ich grundsätzlich gut, im Netz und außerhalb.

Mir wäre nur eben eine (relativ) selbstgehostete Sozialnetzvariante lieber, vielleicht analog (pfui, was für ein Wort!) zu der hinter der offeneren Twitter-Variante identi.ca stehenden Idee der verteilten, aber vernetzten Server. Gibts nicht? Gibts nicht!

Oder bin ich doch zu päpstlich, popeliger than the Pope, sollte mich nicht so haben und endlich social bar, Facebook Connect oder sixgroups hier installieren, damit der geneigte Leser sich nicht mehr so allein vorkommt?

Und jetzt, eine Stunde oder so später, fällt mir auf, dass ich unter der gleichen Überschrift auch über die Don’t-Click-Nummer von heute hätte schreiben können. Aber egal.