Henndiemania

Wunschlos glücklich – so könnte man den Zustand bezeichnen, in dem ich mich, wenn es um Telekommunikation geht, befinde (in einigen anderen Zusammenhängen würde ich mich ebenfalls als w.g. bezeichnen, aber das gehört nicht hierher). Ich kaufe Flatrates allerorten, im Festnetz, im Reich des DSL, im GSM-Netz und im UMTS-Netz. Ich bin connected bis zum Anschlag (und wenn jetzt noch jemand anriefe… egal!).

Damit ich vor allem die mobilen connections nutzen kann, habe ich mir vor etwa einem Jahr in einem Bonner Henndieschopp ein entsprechendes Henndie gekauft: UMTS, Bluetooth, Infrarot sowieso, Mail-Client, Megagigapetapixel-Kamera und was nicht alles. Überhaupt sind Henndies – und nicht nur in diesem unseren Lande – zur Ikone der Infogesellschaft geworden: klein, mit Features zum Platzen gefüllt, und – wenn auch nicht immer geschmackssicher – gestylt bis zum Abwinken. Mein Henndie glänzt wie gebürstetes Aluminium (wer, bitte, bürstet Alu, und warum?), die Tasten ebenso, und wenn ich sie drücke, leuchten die Ziffern blau auf. Ein Wunderding, kurz gesagt.

Und doch…

Und doch bleibe ich, nicht zwanghaft, aber doch gelegentlich, vor einem Henndieschopp stehen und gucke mir die Auslagen an. Wäre nicht das da ein guter Ersatz für den Aluriegel? Oder kann jenes UMTS nicht noch viel besser? Kann es natürlich nicht, und überhaupt: Bin ich Krösus, dass ich nach einem Jahr Gebrauch schon wieder eine nennenswerte Summe an Euronen auszugeben auch nur in Erwägung ziehe?

Lange genug hat es gedauert, aber eine gewisse Vernunft ist schon vor ein paar Jahren in mein Leben eingezogen, und ich nutze weiter mein sleekes Aluteil von 2006. Wird auch so bleiben. Aber was ist so faszinierend an diesen kleinen Dingern, die – wenn wir ehrlich sind – doch meist nur nerven und zum Transport von Nichtigkeiten aller Sorten genutzt werden? Die Fähigkeit zur Sofortverbindung mit der ganzen Welt ist erstaunlich genug, zugegeben; aber das schafft auch das Billighandy von vor fünf Jahren. Features wie MMS (ich kenne keinen, der sowas schon mal erfolgreich verschickt hätte) oder Videotelefonie entstammen den Hirnen der Vermarkter, sind aber in der Realität nie wirklich angekommen. Bleibt nur eine Antwort auf die Frage nach der Faszination…

Es ist Marketing. Und ich kann mir mein Selbstbild eines kritischen Verbrauchers gerade mal in die Haare schmieren.

Immerhin gucke ich nur nach Henndies, nicht nach teuren Autos, Motorrädern oder fremden Frauen. Ist ja auch schon was.