Heller Drachen

Bitte jetzt keine Fragen über Sinn und Unsinn – nein, ich lasse jetzt keine Zwischenfragen zu!

Lokalisierungsdingsbumse – so nennt man die Dienste wirklich, also nicht „Dingsbums“, aber „Lokalisierungs-“ – gucke ich mir schon ein paar Jahre lang an. War als „worldwideklein“ mit dreistelliger Mitgliedsnummer bei plazes.com dabei, war schwer beeindruckt vom ersten Plazer (wie die lokal installierte Lokalisierungssoftware heißt) und dessen Fähigkeit, anhand wechselnder IP-Adressen doch recht zuverlässig – und ganz ohne GPS-Zinnober – herauszufinden, wo sich der Benutzer jeweils befand, machte mir nur wenig Gedanken über den Sinn der so er- und übermittelten Informationen – und ließ die Sache wieder einschlafen.

Dann kam – sehr viel später, irgendwann in den letzten Monaten, brightkite.com, zunächst als closed, inzwischen als open beta. Brightkite hat keinen Plazer und auch keinen Kiter (aber eine iPhone-App!), hatte dafür vom Start weg eine leichtere Lokalisierung, kannte schon bald GPS-Daten, stellte die Ortsmarken der Freunde als Flug über die Google-Erde dar (ja, das kann Plazes inzwischen auch), zwitscherte Richtung Twitter und Fireeagle (dto.) und benahm sich überhaupt wie ein aufgewecktes Kind des Mashable Web.

Zum Vergleich ließ ich Plazes nochmal – diesmal als bluelectric mit hoher Mitgliedsnummer – für mich tätig werden. Nee, wirkte immer noch ein wenig schwerfällig, vor allem weil es einen zwang, Orte als „Plazes“ zu speichern, auch wenn der selbe Ort von jemand anders schon unter anderem Namen gespeichert war (was man früher herausbekam, inzwischen aber nicht mehr), statt sie einfach so hinzunehmen, und weil es nicht twitterhafte Äußerungen von mir erwartete, sondern Auskünfte über irgendwelche Aktivitäten, die ich zwischendurch auch noch mit anderen hätte teilen sollen.

Und guess what: Da konnte Plazes noch so sehr eine mitteleuropäische Erfindung sein und konnte noch so sehr vom finnischen Handyfabrikanten Nokia aufgekauft sein – der Zweitkömmling hatte offenbar genug Zeit, zu sehen, was Plazes richtig machte und was falsch, konnte auf dem Richtigen aufbauen und die Fehler vermeiden – und konnte davon profitieren, dass Plazes nicht immer genau wusste, was es eigentlich wollte und sollte, und auch sonst nicht aus’m Knick kam.

Was Brightkite will und soll, weiß ich zwar auch noch nicht, aber das mit mehr Spaß (Link nur für Brightkite-Mitglieder wirklich sinnvoll klickbar). See you there. Oder auch nicht.

Ach ja, und für die Datenschützer unter uns: Sagt ja keiner, dass ich mich überall und jederzeit registrieren muss, wo ich bin – oder dass ich jederzeit zur absoluten Aufrichtigkeit verpflichtet wäre. Was den Spielcharakter nur noch verstärkt. Kicher.