Hallo DHL ex Paketpost!

Ich weiß: Seit ihr DHL heißt, also einer nicht sonderlich erfolgreichen Konzerntochter den Namen und das Kharma geklaut habt, seid ihr global. Ich weiß auch: Wer global erfolgreich sein will, muss optimieren. Kenne mich da aus. Gehöre selbst zu den Optimierern dieser Welt, restrukturiere und reorganisiere sog. workflows nahezu jeden Tag oder so.

Ich weiß schließlich: Wer reorganisiert, restrukturiert und optimiert, kommt um ein gewisses Maß an ins System eingebaute Stupidität nicht aus. Standards werden ein- und umgesetzt, und Standards sind nun mal, nun ja, oft sub-standard.

Eure Packstationen, DHL, beispielsweise, sind einerseits eine Zumutung (weil ich meinem Paket hinterherlaufen darf), andererseits ein Geniestreich (weil ich meinem Paket hinterherlaufen darf, wann ich will). Deshalb lasse ich mir Pakete schon seit Jahre nur noch zur Packstation schicken, weil ich tagsüber sowieso nie zuhause bin und nicht weiß, wann Familienmitglieder da sind, um Pakete anzunehmen. Außerdem: Klingelversuche, Zettel im Briefkasten – du weißt schon, DHL…

Konkreter Fall: Ein Eilpaket von Amazon. Eilig nur, weil ich das dicke Buch in dem Eilpaket auf eine Dienstreise mitnehmen wollte, für die lauschigen Momente zwischendurch. Paket kommt am Freitag an, Packstation ist voll. Nanu.

Nun liegt ungefähr 100 Meter von der Packstation ein sog. „Postamt“ – weiß nicht, DHL, ob sowas in deinem optimierten Weltbild noch vorkommt. Jedenfalls hat sich einer deiner Fahrer früher schon mal dran erinnert, dass man in einem dieser Postämter ebenfalls Pakete annimmt oder ausgibt, fuhr die 100 Meter weiter, gab das Paket dort ab, und ich musste zwar zu den üblichen Öffnungszeiten hinter meinem Paket herlaufen statt um vier Uhr morgens, aber sonst war alles gut.

Diesmal aber nicht. Weil die Packstation voll, das Paket ein Expresspaket war, hat dein Fahrer, DHL, diesmal auf den optimierten Workflow „Packstation voll, Paket eilig, Version 1.8“ umgeschaltet, fuhr zur nächsten Packstation und legte das Paket dort ab.

Nun liegt die nächste Packstation dreieinhalb Kilometer Richtung Stadtrand – für jemand, der innerhalb der Stadt nur sehr ungern das Auto nimmt, keine mal eben so zurückgelegte Strecke. Ging ich also ohne Buch auf Dienstreise (wozu gibt es Bahnhofsbuchhandlungen? Ja, wozu eigentlich?) und rief dich, DHL, bzw. deine sog. Hotline an.

Hotlinefrau 1 verstand den Fall, bedauerte ihn und versprach, dass dein Fahrer das Paket wieder abholen und bis zu meiner Rückkehr in der richtigen Packstation deponieren würde.

Folgen mehrere Mails, dass doch in der falschen Packstation immer noch ein einsames Paket auf mich warten etc. pp.

Hotlinefrau 2 erklärt mir nun gerade eben, dass der Umleitungsauftrag (der ja eigentlich nur eine Korrektur eines Systemfehlers war) zwar vermerkt sei, aber nicht ausgeführt werden könne – weil das Paket ja ein Expresspaket sei.

Aha. Weil das Paket mich also so schnell wie möglich erreichen soll, darf es nicht im Postamt deponiert werden (was in sich eine gewisse stille Schönheit hat). Es darf aber auch nicht – während ich ohnehin unterwegs bin – aus seinem Gefängnis befreit werden und dreieinhalb Kilometer in die richtige Richtung reisen, was ebenfalls im Sinne des „Express“ in „Expresspaket“ wäre.

Du siehst, DHL, dass auch der optimierte Workflow noch optimierungsfähig ist, nicht?

Das Paket geht heute abend zurück an Amazon. Du hast die Arbeit damit, DHL. Und ich gehe neute nachmittag in die Kölner Bahnhofsbuchhandlung und fahre danach mit dem Zug. Hallo Bahn!