Habemus…

…praesidentem. Der neue ist der alte, Barack Obama hat four more years, seine Pläne durchzusetzen. Oder es gegen ein republikanisches Repräsentantenhaus wenigstens zu versuchen. In diesen Minuten dürfte Mitt Romney den traditionellen Gratulationsanruf beim Wahlsieger machen und danach seine Niederlage eingestehen.

Danke, Amerika, für eine spannende Wahlnacht. Danke für eine letztendlich klare Entscheidung, auch wenn wir sie dem etwas, nun ja: speziellen US-amerikanischen Wahlsystem verdanken. Danke dafür, wie sich die Wahlberichterstattung in den letzten Jahren verändert hat – hin zum Interaktiven, wie auf social media-Plattformen wie auf Twitterwalls im Netz und im Fernsehen zu sehen, hin zu sehr viel mehr Vorsicht als noch im Jahr 2000, was die Schlussfolgerungen aus exit polls und frühen Auszählungsergebnissen angeht. Die fieberhafte Eile, mit der in der unguten Wahl von 2000 Staaten für Al Gore ge-called und wenig später schamrot zurückgezogen wurden, scheint Geschichte – stattdessen vornehme oder eben ängstliche Zurückhaltung auf allen Kanälen. Washington Post und New York Times suhlen sich sogar geradezu in ihrer Seriosität: Bei der WashPost hat Obama derzeit 234 Stimmen sicher, bei der NY Times 250. Update, 45 Minuten später: Jetzt sehen auch die beiden Zeitungen den Drops als gelutscht an. Nur Gov. Romney braucht noch etwas Zeit.

Und doch lässt mich das alles nur mittelfröhlich zurück. Vor neun Jahren habe ich meine zeitweilige Heimat wieder verlassen und ging zurück nach Europa. Damals war die amerikanische Gesellschaft tief gespalten zwischen Gore-Demokraten und Bush-Republikanern. Seitdem sind die nut jobs von der Tea Party hinzugekommen und bestimmen immer noch die republikanische Linie mit, selbst wenn bei den Wahlen heute zwei Kandidaten dieser Ultrakonservativen gewaltig auf die Mütze bekamen – zu Recht, by the way. Die Hoffnung bleibt, dass die Tea Party eine vorübergehende Erscheinung darstellt; die Erfahrung auch dieser Wahl zeigt aber, dass die Grand Old Party, also die Republikaner, immer noch fest im Griff der Extremkonservativen ist.

Ein einiges Land sieht anders aus. Und mit viel konstruktiver Zusammenarbeit mit dem Repräsentantenhaus muss Barack Obama auch nicht rechnen.