Glimmpunkt

Um 20:32 kam die Frage, warum ich denn nun so sauer sei. Ich musste zugeben, dass der gerade zu Ende gegangene ARD-Brennpunkt zum Flugzeugunglück in Madrid, genauer: die darin enthaltene Mischung aus Spekulation und Ahnungslosigkeit, mich zum Kochen gebracht hatte, so sehr, dass die eigentliche Tragödie in den Hintergrund gedrängt wurde.

Nun ist es – soviel weiß ich von dem Geschäft nun doch – nicht einfach, aktuelle Schwerpunktsendungen aus dem Redaktionsboden zu stampfen.

Aber selbst Anfänger in dem Beruf des Journalisten, der auch mein Beruf ist, sollten wissen (oder zumindest gesagt bekommen haben), dass es keinen Sinn hat, dass es sogar hochgradig fahrlässig ist, nur wenige Stunden nach einem Crash schon die Fragen beantworten zu wollen, auf die mit echten Experten besetzte Kommissionen erst nach Wochen oder Monaten, vielleicht sogar nie, eine halbwegs zutreffende Antwort finden.

Und es macht keinen, aber schon gar keinen Sinn, auf das Alter der Unglücksmaschine hinzuweisen (Hinweis: bei guter Wartung fliegen Verkehrsflugzeuge jahrzehntelang!) oder den safety record eines der meistverkauften Flugzeugtypen anzuzweifeln. Und auch Hinweise auf die schwierige wirtschaftliche Lage des carriers haben nicht mehr Erkenntniswert als jede andere Vorverurteilung.

So leid es mir tut: die einzige saubere Art, einen solchen Brennpunkt am Abend der Katastrophe zu machen, ist, sich auf die Fakten zu beschränken. Und seien sie noch so dürftig.

Disclosure: Habe in jüngeren Jahren den selben Fehler gemacht – und nicht nur einmal -, für eine spannendere Sendung über die dünne Faktenlage hinauszuspekulieren, und weiß deshalb, wovon ich rede. Aber egal.