Generation Handle

Schuldig, euer Ohren. Ich bekenne mich schuldig. Auch ich habe schon – in meiner Rolle als Erklärbär meines Arbeitgebers für everything Internet – das ebenso alte wie wenig zutreffende Klischee von den digital natives verwendet, die sich mit diesen neumodischen Dingen so viel besser zurechtfinden als wir Alten Zausel™.

Quatsch. Nur weil einer an der Stadtautobahn aufgewachsen ist, ist er noch lange kein guter oder gar besserer Autofahrer.

Ich möchte, weil es gerade so gut passt, sogar die These aufsteilen (kein Tippfehler!), dass einer, der 1993 mit 35 seine erste Mailadresse bekam, ein bisschen mehr vom Leben im Netz verstehen kann als einer, der im gleichen Jahr zur Welt kam – einfach weil er schon etwas länger über das Leben in der Informationsgesellschaft nachdenken konnte.

Aber da wollte ich eigentlich gar nicht hin. Denn natürlich gibt es Unterschiede zwischen den Generationen im Netz; sie sehen nur manchmal anders aus als erwartet.

Als ich lesen lernte – das war im letzten Jahrtausend, liebe Kinder -, war mir zum Beispiel völlig klar, dass der eigene Name unveränderliches Kennzeichen der eigenen Person ist. Das war durchaus nicht so positiv gefühlt, wie sich das jetzt liest; ich fand meinen Namen sehr lange ziemlich doof.

Ausnahmen gab es nur für Frauen, die ihren Nachnamen bei der Heirat wechselten, und dem kleinen Konstantin blieb immer ein Rätsel, wie eine Frau mit einer so einschneidenden Veränderung psychisch überhaupt klarkommen sollte.

Heute dagegen definieren wir uns über mehr oder weniger intelligente, kluge, originelle, coole, aber immer selbst ausgewählte Namen (und wenn es “l33thaxx0r1994@aol.com“ ist), die wir nach Lust und Laune wählen. Auch ich habe diesen Irrsinn mitgemacht von “worldwideklein“ (und niemand wusste, dass sich das auf meine Hosenbundweite bezog!) über “bluelectric“ und anderen Firlefanz, bis ich endlich auf die Idee kam, dass es “konstantinklein“ auch täte – und noch dazu meinen wirklichen Namen so erstaunlich ähnlich ist!

Wir sind nicht die Generation X und auch nicht die Kinder des Netzes. Wir sind die, die unter dem Motto “On the Internet, nobody knows you’re a dog“ auf- oder wenigstens ins Netz hineingewachsen sind. Wir schaffen uns eine, zwei, viele Identitäten und definieren uns gerade dadurch.

Interessant übrigens, dass wir alle uns in einer Hinsicht immer noch zugeteilte und noch dazu reichlich analoge Identitäten gefallen lassen: Telefonnummern sind doch sowas von 20. Jahrhundert!