Futur 2

Wochenende ist Buchbesprechungszeit, auch bei Salon.com. Nostalgie, also Sehnsucht nach der Vergangenheit, ist es nur bedingt, was Buchautor Daniel H. Wilson und Buchbesprechungsautor Simon Reynolds umtreibt; es ist eher die Sehnsucht nach den Vorstellungen von der Zukunft, wie wir sie in der Vergangenheit hatten. So beginnt Reynolds‘ Artikel:

…the design of automobiles has changed a bit, but combustion-engine-propelled ground-level vehicles are still how we get around, as opposed to flying cars or teleportation. Pedestrians trudge along sidewalks rather than swooshing along high-speed moving travelators… From the trusty traffic meters and sturdy blue mailboxes to the iconic yellow taxis and occasional cop on horseback, 21st century New York looks distressingly nonfuturistic.

Ich muss zugeben, dass Wilsons Buch auch nach der Lektüre der Rezension nicht ganz oben auf meiner nicht vorhandenen Amazon-Wunschliste steht. Und als einer, der im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg wohnt, kann ich das Argument mit dem nicht-futuristischen Aussehen unserer Städte durchaus unterschreiben.

Schrieb’s, und blickte auf den Monitor, auf dem sein Text entstand, auf das UMTS-Handy mit eingebauter Kamera, mit dem er seine E-Mail abruft, wenn er unterwegs ist, und Photos nicht nur macht, sondern gleich einer Welt zur Verfügung stellt, die sich im Zweifelsfall einen feuchten Kehricht darum schert. Er sah den RSA-Schlüsselgenerator, den er brauchte, um abhörsicher in das Hausnetz seines Arbeitsgebers zu kommen, er sah überall im Zimmer kleine, silbrig glänzende Scheiben, auf denen Musik und bewegte Bilder jederzeit abrufbereit sind. Und er sah, wieder auf seinem Monitor, dass gerade ein Mensch, den er noch nie im Leben gesehen, mit dem er aber schon mehr als einen interessanten Gedanken ausgetauscht hatte, gerade online gegangen war. Nicht futuristisch?

Scheiß auf die Düsenrucksäcke, die sie uns vor vierzig Jahren versprochen haben. Scheiß auf den Segway, den ersten, grandios gescheiterten Versuch, auch Fußgänger zu motorisieren. Die Zukunft ist hier, aber sie beschleunigt Informationen, nicht Menschen oder Güter.