Family Business

LiebsteLucy.png

Mit lahmgelegtem Sprechapparat (natürlich kommt die Erkältung nach dem langen Winter!) und verklebten Nasen- und sonstigen Nebenhöhlen, und in sturmfreier Bude widme ich mich dem aktuellen Familienprojekt.

Die Sache ist nämlich so: Meine Lieblingstante, die durch ihre Emigration ein knappes Jahr vor dem Zweiten Weltkrieg die Gründung des amerikanischen Zweiges meiner Familie in die Wege geleitet hatte, war eine begabte Sammlerin von Zeitdokumenten – begabt in dem Sinne, dass sie keinen Brief und nur wenige Fotos wegwarf. Diese Sammelleidenschaft machte es möglich, dass sie in ihren letzten Jahren die Geschichte ihrer Emigration aufschrieb, die die Familie nach ihrem Tod im Selbstverlag herausbrachte. Dieses Buch deckt aber gerade mal anderthalb Jahre der Familiengeschichte ab.

Bleiben noch 32 Umzugskisten (in Worten: zweiunddreißig!!) voller Dokumente, die meine amerikanischen Cousins mit der tatkräftigen Hilfe der Verwandtschaft jetzt sichten, sortieren und – da meine Familie eine paneuropäische Geschichte hat – aus drei, vier Sprachen ins Englische übersetzen (lassen). Ich habe dabei den Part gewonnen, meine Schulkenntnisse in Sütterlin (doch, in Bayern hat man das in den 60er Jahren noch – als Zweitschrift – gelernt!) aufzufrischen und die deutschsprachigen Briefe meiner Vorfahren ins Englische zu übersetzen.

Für die technisch Interessierten: Die Dokumente werden in New Jersey gescannt und landen dann als JPEGs in einem gemeinsamen Dropbox-Folder (Affiliate-Link – ich brauche bald mehr Speicherplatz!). Die Übersetzungen schreibe ich mit Google Docs und teile sie mit meinen Cousins, damit sie mein Englisch ggf. korrigieren und die Texte im Format ihres Vertrauens weiterverarbeiten können. Und meine Nichte (zweiten Grades) Kathryn packt die interessantesten Bilder in den Familienstammbaum auf ancestry.com.

Was aber viel spannender ist, ist der Einblick in das Leben von Menschen in den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts, in Deutschland, Österreich-Ungarn und der Schweiz. Die hoffnungsvollen Glückwünsche für die junge Ehe meiner Großeltern, die dann doch nur vier Jahre dauern sollte, die Wünsche zur Taufe des „kleinen Buberl Harald“, der mein Vater werden sollte und durchaus nicht das lange, gesunde Leben haben sollte, das ihm alle wünschten…

Entschuldigung, ich muss mal eben weiter übersetzen.