Meta als Freund(in) hinzufügen?

In irgendwelchen Kontaktlisten meines Arbeitgebers muss ich mit den Feldern meiner angeblichen oder wirklichen Expertise und einem Vermerk wie „Kann man immer anrufen, quasselt auf Kommando zu jedem Thema“ (oder so) aufgeführt sein. Auf eben diesen Eintrag muss eine Kollegin auf der Suche nach einem, nun ja: Experten für die Dienstagmorgensendung gestoßen sein, als am Montagabend mein Telefon klingelte. Sie klang schon etwas mutlos, die Kollegin, als sie mich fragte, ob ich denn morgens als Gesprächspartner etc. Und als ich fragte, worum es denn eigentlich ginge, wurde ihre Stimme noch mutloser, als sie sagte: „Facebook.“

Sie hatte wohl schon sehr, sehr viele andere Kontakte angefragt.

Ich sagte schnell, laut und entschieden: „Nee!“ Und erklärte ihr auch, warum.

Nochmal: Das war am Montag, und es war nicht nur meine Abneigung gegen monopolkapitalistische (huii!) Social-Media-Konzerne, die mich so rasch „Nee!“ sagen ließen. Nein, die Zeit, in der mich ein Bauchbindentexter ungestraft als…

Konstantin Klein, Internet Expert
Internet- was?? Aha, haha, HAHAHAHA!!

…OK, als „Internet Expert“ (wenn schon erkennbar nicht als Frisurenexperten) bezeichnen durfte, ist lange vorbei. Mein Facebook-Account (im Bild links) ist seit Jahren gelöscht – nicht nur stillgelegt, sondern wirklich gelöscht. Die Berichte über die Facebook-Pfeifenpusterin (sorry!) Frances Haugen hatte ich mit nur mäßigem Interesse verfolgt, weil und dass Facebook nicht immer und unbedingt die Interessen der Demokratie, der Wahrheitsfindung und seiner Users im Sinn hat, das wusste ich schon. Dass Mark Zuckerberg an irgendeinem Metaversum werkelte, wusste ich ebenfalls, und dass eine Umbenennung des Konzerns bevorstand, auch. Aber alles zusammen erschien mir doch zu wenig, um als (prust!) „Experte“ im Fernsehen aufzutreten.

Heute frage ich mich aber, ob das nicht ein Fehler war – also weniger die Absage an die Kollegin, denn ich wäre wirklich nicht der richtige Gesprächspartner gewesen. Ich meine eher die Löschung meines Facebook-Accounts, meines Instagram-Accounts, meines WhatsApp-Accounts. Seitdem mein digitales Leben so Facebook-frei wie möglich verläuft, fühle ich mich tatsächlich ein klein wenig weniger beobachtet – und somit gut. Aber was sich da jetzt tut – jenseits der Manöver mit „Meta“, die nur von den eigentlichen Problemen ablenken sollen, die Facebook derzeit hat -, also die weitere kommerzielle Virtualisierung unserer Umgebung, ist besorgniserregend – und auch spannend. Beides in dem Maße, dass ich als Journalist und… (ja, gut, ich sag’s ja schon nicht!) es eigentlich nicht nur von außen beobachten sollte.

Aber das würde wohl eine Menge Überwindung kosten. In der Zwischenzeit werde ich mich beruflich weiter vor allem mit, jawohl: Metadaten beschäftigen. Denn die sind für meinesgleichen im 21. Jahrhundert mindestens so wichtig geworden wie irgendwelche Namensspielereien irgendwelcher Konzerne.