Exitonly

Die Berliner Zeitung, also die Zeitung, die mir auf ihren Computerseiten immer erklären will, wie ich Outlook richtig konfigurieren soll (korrekte Antwort: gar nicht, nutze Thunderbird!), berichtet, dass „Die Blogger-Szene streitet, ob 2008 das „Jahr des Exits“ wird.“ Aha.

Selbstreferentielle Zwischenbehauptung: Wer es schon seit längerem mit den diversen Produkten aus diesem Hause (WorldWideKlein, Nothing but the Truth, The Very Large Orange, bluelectric) aushält, weiß, dass schon die Jahre 2005 und 2006 Jahre des Exits waren. Wenn also jetzt andere über die Stagnation des Phänomens Weblog und gar über den Ausstieg fabulieren, dann haben die in den letzten drei Jahren vor lauter Bloggen einfach was übersehen.

Aber im Ernst:

Zu wenig Aufmerksamkeit und schlechte Verdienstmöglichkeiten konstatiert einer der deutschen Top-Blogger, Rainer Meyer, auf seinem Internetauftritt Blogbar. Während andere Bereiche des Internets mit zweistelligen Wachstumsraten wuchern, stagniere das Bloggen.

Ja heul doch.  Wenn Don Alphonso das wirklich so gesagt (und gemeint) hätte – und es gibt bei der Fachkompetenz der Berichterstattung über Blogging eine reelle Chance, dass er es nicht so gesagt und/oder gemeint hat -, dann verwechselte er leider die Ausnahme mit der Regel. Hat keiner gesagt, dass Besucherzahlen in die Millionen gehen müssen, und dass der Mensch vom Bloggen leben kann. Never. Ausnahmen von der Regel haben nichts mit dem System Blog zu tun, sondern mit guter Vermarktung und einer Dynamik, die auch in anderen Bereichen (Politik, DSDS etc.) die Stars von den Sternchen trennt. Das Weblog als solches ist kein Massenmedium. Ponkt.

Der Schreiber dieser Zeilen war nie auch nur in der Gefahr, ein Profiblogger zu werden. Die höchsten Besucherzahlen hatte ich wohl zwischen 2001 und 2003, als ich aus Washington die Zeit kommentierte, in der aus Clinton-Amerika Bush-Amerika wurde (und zu jener Zeit stand in den USA tatsächlich eine Mehrheit hinter diesem Präsidenten, auch wenn es immer eine qualifizierte Minderheit gab, die gegen Bush war!). Dieses Alleinstellungsmerkmal entzog ich mir selbst durch die Rückkehr nach Deutschland; weitere treue Leser verscheuchte ich durch mehrfachen Exit und die (bis heute erfolglose) Suche nach The Next Big Blog Thing. Heute spielt bluelectric.org in der Amateurliga, auf dem Bolzplatz in Klein-Bloggersdorf.

Was soll ich Euch sagen: Scheiß drauf! Mir macht es Spaß, einigen anderen auch, das Jahr des Exits habe ich, s.o., schon lange und mehrfach hinter mir, und solange ich einen day time job habe, bin ich auch nicht auf mehr angewiesen.