Erlebnisse einer angehenden MenschMaschine

Hinweis: Nichts von dem, was ich hier berichte, ist in irgendeiner Weise besonders. Was ich erlebe, erleben zur gleichen Zeit unzählige Menschen überall auf der Welt. Ich finde all dies nur deshalb so interessant, weil es mir passiert, und weil es mich dabei seltsam unbeteiligt lässt.

Der erste Schritt hin zur Existenz als Cyborg ist getan. Der zweite folgt demnächst: mit einer Diagnose allein kommt unsereiner ja gar nicht erst ins Krankenhaus. Dass das System die Installation des Subsystems Herzschrittmacher erforderte, wusste ich nach einer Stunde in der Notaufnahme. Dass da noch mehr sein könnte… Aber der Reihe nach.

Schon rund um die Schrittmacher-Aktion (ich nenne ihn übrigens zärtlich „Frank“, und wer den Grund dafür weiß, darf sich ’n Keks nehmen) raunten die Ärzte Geheimnisvolles über geheimnisvolle Herztöne; und weil die Charité unter anderem ein Lehrkrankenhaus ist, durften drei Studentengruppen an meinem Thorax herumhorchen, während die lehrenden Ärzte wiederholt und ein wenig aufgeregt fragen: „Hören Sie’s? Hören Sie das?“ (Ungefähr die Hälfte hörte nichts oder fast nichts.)

Gestern dann also: Showtime!

Angesetzt war ein Termin zur Untersuchung mit Herzkatheter. Für alle, die es nicht wissen (bis letzte Woche hätte das auch für mich gegolten): Dabei wird eine Sonde über eine Ader bis ans und ins Herz geführt – bei laufendem Betrieb, versteht sich -, und die Fachleute sehen dann, was an diesem Herzen falsch ist. Laien sehen nur wolkige Schatten.

Ja, Laien. Der einzige Laie im Raum war ich, und weil die Prozedur unter lokaler Betäubung (der Leistengegend, über die der Katheter eingeführt wurde) stattfindet, und ich mit der Leistengegend weder gucke noch gar denke, durfte ich live und (leider) in schwarzweiß zugucken, wie mein Herz arbeitet.

Leider hatte ich nicht daran gedacht, mein Handy mitzubringen, und wäre vermutlich auch prachtvoll angeschissen worden für den Versuch. Deshalb gibt es davon also keine Fotos und keine Videos, sondern nur eine Beschreibung.

Wolkig, vor allem. In den Wolken tanzen rhythmisch zwei Drähte: die Elektroden von Frank Schrittmacher. Dann kommt ein dritter Draht dazu, versprüht Kontrastmittel, und es wird sehr warm im Brustkorb. Auf dem Bildschirm sieht es aus, als habe ein Tintenfisch eine Ladung Sepia versprüht.

Weil das Video Bild erstaunlicherweise nur in 2D (und in schwarzweiß, sagte ich das schon?) ist, kreisen die ganze Zeit zwei Röntgen-Köpfe (dafür gibt es sicher auch einen Fachausdruck) mit tollen sound effects um den Patienten – sirr, klack, klickklack, sirr – und damit es dem Patienten nicht langweilig wird, wird er mitsamt der Liege mit ähnlichen Geräuschen in die passende Lage gesirrklackt.

Da sitzen also zwei (hoffentlich) hoch qualifizierte Ärzte und prökeln in meinen Herzen herum, und ich gucke zu. Macht der Mensch auch nicht alle Tage.

Ergebnis der Geschichte: Die Aortenklappe ist kaputt und muss raus. Grund ist – HA! – nicht etwa mein unguter Lebenswandel, sondern ein Geburtsfehler, der sich 56 Jahre später bemerkbar macht. Mama, wir müssen reden…

Den Fehler haben übrigens ungefähr 30 Prozent aller Menschen; hämisches Lachen ist also in etwa 30 Prozent aller Fälle unangebracht.

Tscha. Jetzt darf ich mich also vom ersten Schritt hin zur MenschMaschine erholen und dann zum Einbau einer neuen Herzklappe wieder antreten. Stay tuned.

3 Gedanken zu „Erlebnisse einer angehenden MenschMaschine“

  1. Ich würde da mal nachfragen: Ich habe seinerzeit Bilder und sogar eine CD mit den Videos bekommen. Sieht lustig aus. Viel Erfolg beim Pumpenservice!

  2. Gute Besserung von hier aus!

    Wie lang ist denn das bis zum Aortenklappenauswechselei hin, so Pi mal Daumen?

    Und wo stehen Deine Kekse? 😉

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