Ende Gelände

An diesem Wochenende tauchte im Weblog Buzzmachine eine Meldung auf, deren Bedeutung gewaltig ist – auch wenn sie scheinbar en passant auftaucht. Sie handelt nicht von einem Dammbruch, aber von einem Riss. Und dieser Riss gesellt sich zu mehreren anderen in der jüngsten Zeit, die davon künden, dass die Zeitungsbranche nicht mehr lange Zeit hat, um ihr gedrucktes Kernprodukt zu retten.

Aus Ein Riss im Damm [Indiskretion Ehrensache]. Im weiteren Text erzählt Thomas Knüwer, dass in seinem Bekanntenkreis die Zeitungsleser immer seltener werden.

Und was tut das Schicksal? Auch in meiner Umgebung (wir erinnern uns: Journalist mit journalistisch angehauchtem Bekanntenkreis) ist das nicht anders, und was noch schlimmer ist: Ich war in diesem Jahr selbst schon soweit und bestellte die letzte Tageszeitung des Hauses ab. Nur um sie sofort wieder zu bestellen, nachdem das Protestgeschrei des Juniors verhallt war.

Aber egal: Papierbasierte Medien (auf deutsch: Zeitungen, Zeitschriften) sind, ob es ihre Hersteller und ihre Verteidiger sehen wollen oder nicht, auf dem Rückzug, und sie werden – außer im Falle eines globalen, lange anhaltenden Netzausfalles – nie wieder das sein, wass sie noch vor wenigen Jahren waren. Sie werden den Weg von Fax, Festnetztelefon und analogem Fernsehen gehen. Und dieser Weg führt in einen malerischen Sonnenuntergang.

Womit wir bei einem Satz von Russ Stanton, Chefredakteur der „Los Angeles Times“ wären, der Zeitungsfreunden einen eiskalten Schauer über den Rücken jagt.

Auf einem Podium der der University of Southern California sagte er, die Online-Einnahmen überstiegen die kompletten Redaktionskosten des Blattes.

…schreibt nun wieder Knüwer. Und eigentlich ist es – angesichts des Kommunikations- und Medienberichtes der Bundesregierung, der noch weitgehend ungelesen, aber digital auf meinem Desktop (nicht auf meinem Schreibtisch!) liegt, und in dem von einer schon fast vollständigen Digitalisierung des Informationsverkehrs bei uns die Rede ist – auch nur noch schwer zu verstehen, warum digital erstellte und verarbeitete Inhalte auf Dauer auf dem analogen Weg verbreitet werden und ihr geduldiges Publikum finden sollen.

Was allerdings zu denken gibt: Nicht nur das Transportmedium ändert sich – auch die Erwartungshaltung der Konsumenten. Und deshalb funktionieren ins Netz übertragene Zeitungen nur so lala, und deswegen ist eigentlich auch schon dieser Text zu lang.

Ich habe verstanden. Wer noch?