Ende der Lesepause

Nationalismus: eine Gemütsverfassung, bei der man nicht so sehr das eigene Land liebt, als im Schlafen und im Wachen davon brennt, im Anhassen des fremden Landes sich die Hosen zu nässen. (Friedrich Reck-Malleczewen, „Tagebuch eines Verzweifelten“, vergriffen)

Aha. Nicht der einzige interessante Gedanke in den Buch, das mich die letzten Abende vom Netz ferngehalten hat. Interessant in der Vorahnung des berühmt gewordenen Fotos vom Brand des Ausländerwohnheims in Rostock-Lichtenhagen (wir erinnern uns: das Bild des hitlergrüssenden Gaffers, der sich vor Begeisterung über das brennende Heim bepisst hatte). Interessant aber vor allem in der Beobachtung, dass Nationalisten sich tatsächlich vor allem durch Hass auf andere, kaum durch Liebe (aber das wäre wohl auch – intellektuell und/oder emotional – zuviel verlangt) zum eigenen Land definieren. Ganz banal. Hätte ich selber drauf kommen können.

Und dann die Debatte, die zeigt, dass wir entweder keine wirklichen Probleme zu lösen haben, oder dass wir seit 46 Jahren etwas unerledigt mit uns herumtragen. Ein Herr namens Meyer tönt, er sei stolz, Deutscher zu sein; ein Herr Rau sagt, stolz könne man nur auf das sein, zu dem man selbst beigetragen habe; ein Herr Trittin tönt in seiner üblichen Wurschtigkeit und muss in Deckung gehen. Nicht, dass die Diskussion über Patriotismus und Nationalstolz unangebracht wäre – aber ich wünsche mir eigentlich, dass sie nicht von Berufspolitikern zur Geisel genommen wird.

Und wer gedacht hätte, in meinem Anfall von Bausparkassenweisheit wäre ich milde und verständnisvoll geworden, hat sich geschnitten: Ute Vogt hat sich weiterhin zu schämen!