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BMW ActiveE
BMW ActiveE

Sieht aus wie ein BMW, trägt vorne, hinten, innen BMW-Logos, heißt BMW ActiveE, fährt sich, soweit ich das mit meiner beschränkten Erfahrungen als BMW-Fahrer beurteilen kann, wie ein BMW – und ist doch ganz anders.

Seit über einem Jahr beschäftige ich mich mit dem Gedanken, ohne Autobesitz durchs Leben zu fahren (ich berichtete). Seit einigen Monate ist es eine Tatsache: Isch ‚abe gar keine Auto (mehr), fahre überwiegend öffentlich, und wenn nicht, dann eben mit einem Wagen der Firmen DriveNow oder car2go, die in den Gegenden Berlins, in denen ich mich so herumtreibe, praktischerweise meist in Fußmarschweite abgestellt darauf warten, dass ich sie via Smartphone-App buche, mittels Chipkarte öffne und starte und mich dann genau so lange als Autofahrer fühlen kann und darf, wie ich das Ding tatsächlich fahre. Tanken, waschen, TÜV, Reparaturen – mit all dem Kram schlägt sich ein Carsharing-Kunde nicht rum, ist im Preis inbegriffen.

Heute nun… War ich so am Savigny-Platz, hatte keine Lust, den Weg nach Hause in vollen Zügen™ zu genießen, gucke auf meine Funkbläke und sehe, dass keine 100m weiter ein DriveNow-Auto auf mich wartet. Ein elektrisches DriveNow-Auto. Staun.

Ich steige ein, frage mich kurz, was für ein Zwerg vor mir dieses Auto genutzt und den Fahrersitz bis unmittelbar unters Lenkrad geschoben haben mag, melde mich mit meiner PIN an und werde prompt von der kurzen Einführung ins Elektrofahren aus dem Konzept gebracht: wie jetzt – Ladekabel lösen?

Ich steige nochmal aus, gehe wie ein Idiot ums Auto und stelle fest: aha, kein Ladekabel, Auto wird nicht bei jedem Parken geladen (wie auch, ohne Ladestation am Savignyplatz?). Steige wieder ein, lasse mir den Rest erklären, drücke auf den Start-Button“, und es passiert: nichts.

Bis ich den Blinker setze, das Lenkrad Richtung Fahrbahn drehe und aufs, ja, äh… also das Pedal trete, das bei Autos sonst „Gas“-Pedal heißt. Und mit sanftem Summen setzt sich der BMW in Bewegung. Ui.

Wer, wie ich, bei Elektroantrieb an „Straßenbahn“ denkt, ist überrascht, dass die Beschleunigung zumindest im Stadtverkehr mehr als ausreicht. Was zunächst ungewohnt ist: Geht man vom, äh, Gas, schaltet das Auto sofort in den Schubbetrieb zum Aufladen der Batterien und bremst dabei stark ab (weshalb schon beim Loslassen des Gaspedals die Bremsleuchten aufleuchten, um Besuch von hinten zu vermeiden). Das Bremspedal braucht man nur zum stärkeren Bremsen, wenn der Idiot da vorne™ sich erst wieder im letzten Moment überlegt, dass er doch rechts abbiegen möchte.

Elektroautos sind ja nicht unproblematisch: begrenzte Reichweite, hohe Anschaffungskosten, und wo bitte finde ich eine Ladestation, wenn ich eine brauche? Für Überlandfahrten sind sie, wenn sie nicht wie der Opel Ampera einen benzingetriebenen Generator dabei haben (und damit keine reinen Elektroautos mehr sind), nicht geeignet. Aber: Im Stadtbetrieb, noch dazu im Betrieb eines Carsharing-Unternehmens, das auch seine herkömmlichen Autos regelmäßig von Mitarbeitern einsammeln, warten und auftanken lässt, fallen solche Minuspunkte mal eben ganz flach. Und ohne Krach und Shtonk durch die Stadt zu säuseln, hat auch für den Benutzer was.

Fazit: Savignyplatz bis nach Hause: 20 min Fahrzeit, € 6,51 Kosten. Weil der Ladestand der Batterien (Start: 75%, Ende: knapp unter 70%) noch weit von der 10%-Marke entfernt ist, durfte ich das Auto einfach vor dem Haus abstellen; wenn der Saft knapp wird (eben bei 10% Ladestand), ist die Fahrt zu Ende, weil DriveNow die 10% dann für die Fahrt zur Ladestation selbst braucht. Für das Geld hätte mich kein Taxi nach Hause gebracht, wohl aber S-Bahn und BVG. In vollen Zügen™.

Gleich nach der Ankunft habe ich angefangen, diesen Text zu schreiben. Ein Blick aus dem Fenster sagt mir: Der Elektro-BMW ist schon wieder unterwegs und begeistert den nächsten Kunden.