Eins noch, Republik…

…hatte ich heute morgen also doch nicht ganz unrecht. Ein Herr Wulff aus Osnabrück ist jetzt Bundespräsident, ein Pastor Gauck aus Rostock ist es nicht – weil er in seinem zweiten Leben Stasi-Ankläger war, und es soll mir keiner sagen, das habe für die SED PDS Linke keine Rolle gespielt. Na egal.

Mit zwei, drei Dingen hast du mir aber heute Freude gemacht, deutsche Demokratie.

Erstens: Es steckt doch mehr Leben in Dir, als ich gedacht hätte, etwas mehr Aufsässigkeit und etwas weniger Gehorsam, als es den Merkels dieser Republik lieb war. Es war nicht viel mehr Aufsässigkeit, nicht viel weniger Gehorsam, und es wird auch keine andere Republik sein, wenn wir morgen aufwachen. Aber es ist schön, dass man zumindest gelegentlich beim Durchregieren (was für ein Wort!) auf Widerstand stößt. Künftig gerne mehr davon, Demokratie, gell?

Zweitens: Ich rechne eigentlich fest damit, dass Joachim Gauck, den inzwischen jeder im Lande kennt, der in den letzten Monaten nicht unter einem Stein gelebt hat, sich legitimiert fühlt, in Zukunft öfter das Wort zu ergreifen. Ab und zu kann unsere Republik einen wie ihn brauchen, einen, der

denkt, bevor er redet, der so redet, dass man ihn versteht, und der dabei nicht nur Geräusch entwickelt,

wie ich heute morgen so richtig formulierte. Und auch wenn Jörg Schönenborn im Tagesthemen-Kommentar gerade behauptet, Gaucks Themen seien doch eher die Themen von gestern: unterschätzt den Mann nicht. Also Gauck, Schönenborn kann von mir aus unterschätzen, wer will.

Und drittens freut mich, dass der Abend jetzt vorbei ist.