Einmal Grenze und zurück

Vier Tage (weitgehend) offline, weg aus Berlin, Familienfeier, Badesee, Gewitter im Gebirge, Frühstück auf der Alm (koa Sünd‘!) etc. Und Anlass, anlässlich der frisch eingetroffenen Autohalterung für das Nexus One die Android- (oder Google-?) Navigation auszuprobieren. Der Versuch war risikolos; die Strecke kenne ich nämlich.

Auch auf bekannten Strecken lasse ich gerne ein Navi mitlaufen; mein inzwischen drei Jahre altes TomTom (Go 910) erfährt über ein via Bluetooth gekoppeltes Handy die aktuelle Verkehrslage, gibt auf Wunsch Ausweichempfehlungen und errechnet die zu erwartende Fahrdauer bzw. Ankunftszeit. Außerdem liefert es mir GPS-ermittelte Geschwindigkeitswerte und beweist mir damit, dass der Tacho des Autos zuverlässig zehn Prozent vorgeht.

Auftritt Android-/Google-Navigation im Nexus One. Die Software unterscheidet sich von „klassischen“ Navigationslösungen, also Standalone-Geräten ebenso wie dem iPhone, dadurch, dass das Kartenmaterial nicht vorab heruntergeladen und dann vom Speichermedium gelesen wird, sondern dass das Gerät, also das Nexus One, eine dauernde Datenverbindung braucht und nutzt. Vorteil: Keine Gigadownloads, immer aktuellstmögliches (gibt es das Wort überhaupt?) Kartenmaterial von Google Maps und – hooray! – keine Kosten für das Kartenmaterial; letzteres dürfte kommerzielle Kartenprovider auch heute noch durch Sonne, Mond und Sterne ärgern.

Ganz stimmt das mit dem download on demand natürlich nicht; während eines halbstündigen kompletten Netzverlustes auf der Rückfahrt (Rechnung nicht bezahlt? Prima D-Netz-Qualität?? Oberfranken???) lief die Route weiterhin so smooth über den Bildschirm, als sei die Karte komplett auf der Festplatte.

Steht das Netz dagegen, leuchtet links unten entweder ein grünes Lämpchen (also’n grüner Punkt im LED-Look) und sagt, dass mit Verzögerungen nicht zu rechnen ist, oder ein gelbes oder gar rotes Lämpchen warnt vor stockendem Verkehr oder Stau. Auf Lämpchendruck zeigt die Software den weiteren Verlauf der Strecke mit den problematischen Abschnitten und bietet auf Wunsch Ausweichempfehlungen an. Oder auch nicht – vor der Berliner Stadtautobahn kapituliert sogar Google.

Wahrscheinlich, weil es dort keine Fotos machen darf.

Natürlich spricht mein Handy auch mit mir und gibt mit weiblicher, aber schnarrender, keinen Widerspruch duldender Stimme Kommandos. Da ist mein TomTom freundlicher, verwirrt aber gerne mit Aussagen wie „Halten Sie sich links. Dann fahren Sie auf die Autobahn. Dann fahren Sie auf die Autobahn.“ Kommandolady weiß dagegen, wie die Straße heißt, und was auf den Wegweisern steht, denen ich folgen soll.

„Folgen Sie dem Straßenverlauf von B 305, Richtung Reit im Winkt, auf fünf Kilometer.“

Richtig, mit „t“. Steht so auf der Karte, wird so vorgelesen. Keine Widerrede.

Weitere, wohl hardwarebedingte Nachteile, kann auf anderen Android-Telefonen wieder ganz anders sein: Das Dock hat einen eher unterirdischen Lautsprecher, was Kommandoladys Stimme nicht schöner macht. Die Helligkeitsregelung wird durch den Sensor des Handys angetrieben, der nicht dafür gebaut ist, die Helligkeit im Inneren eines Autos incl. einfallender Sonnenstrahlen zu verstehen. Sprich: ab und zu durfte ich raten, was auf dem nahezu schwarzen Bildschirm steht. Und das mit dem Dock mitgelieferte Ladekabel für die  Bordstrombuchse liefert zwar Storm, aber zu wenig: Nach acht Stunden Fahrt, die mit einem vollen Akku begonnen hat, ist der Akku noch etwas mehr als halbvoll. Nanu.

Großer Nachteil des Android-Navis gegenüber solchen, die ihren Atlas mit sich rumschleppen: Wo kein (Daten-)Netz, da kein Auskennen. Unser Wochenende fand im früher von Schmugglern und Wilderern sehr geschätzten Grenzgebiet zwischen Deutschland und Österreich statt (schon wieder Berufszweige, die der europäischen Einigung zum Opfer gefallen sind!), und wo früher Wilderer auf’d Gamsjagd gingen, wildern heute europäische Telekommunikationskonzerne um Kunden. Unser Quartier, eindeutig (naja, so eindeutig wie möglich) noch auf deutscher Seite gelegen, wurde offensichtlich von Orange (Österreich) als sein Revier betrachtet. Weil ich meinen Androiden aber verboten habe, sinnlos Geld durch Datenroaming zu verprassen, fand die Navigation zurück erscht drunt‘ im Doi wieder statt.

„Roaming“ könnte übrigens, genau betrachtet, der Name eines bayerischen Gebirgsdorfes sein.

Fazit: Innerhalb Deutschlands ist die Google-Navigation (von den erwähnten Hardware-Problemen mal abgesehen) gleichwertig oder sogar besser, weil aktueller und kostenloser als eine konventionelle Navi-Lösung. Für den Auslandsurlaub hole ich aber wieder TomTom aus der Schmollecke.