Einleitung, Hauptteil, Schluss

Non scholae, sed vitae discimus.

Lucius Annaeus Seneca

Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir. Yeah, right, dachte ich vor vielen, vielen Jahren und ließ das eine oder andere an mir abperlen, das z.B. OStR H. aus C. mir einzubimsen beizubringen versuchte. OStR H. war unter anderem mein Deutschlehrer und bestand in dieser Eigenschaft darauf, dass vor dem Verfassen eines Textes (z.B. eines Aufsatzes) eine sog. Gliederung zu erstellen sei. Das fand ich überflüssig, weil ich immer irgendwann zu schreiben anfing (Einleitung), dann kam ein großer Haufen Wörter (Hauptteil), und irgendwann war ich fertig (Schluss). Das klappte immerhin so gut, dass meine Gliederungen meist so aussahen: Einleitung, Hauptteil, Schluss. Das musste reichen – und reichte letztendlich für eine Drei im Deutschabitur. Seufz.

Da ich aber für das Leben, nicht für die Schule gelernt hatte, behielt ich diese Methode bei, als ich einen Berufsweg beschritt, der zu einem großen Teil aus Schreiben besteht (= Journalismus). Ausnahmen bestätigen – versteht sich – auch hier die Regel: Längere Werke (Seminararbeiten, Features oder so) oder zusammen mit anderen erstellte Texte (Systemdokumentationen, Betriebshandbücher oder so) bekamen natürlich eine ordentliche Gliederung. Im Alltagsgeschäft blieb es bei der Dreieinigkeit Einleitung-Hauptteil-Schluss.

Zwischenfrage

Befinden wir uns noch in der Einleitung dieses Textes – oder ist das schon der Hauptteil? Ja, das wollt Ihr wohl gerne wissen…

Meine Zurückhaltung, was vorschriftsgemäße Gliederungen angeht, hat natürlich mit der damals aktuellen Technik der Informationsverarbeitung zu tun. Eine Gliederung war einfach noch ein weiterer Zettel auf dem Schreibtisch, und wenn sich im Laufe der Arbeit herausstellte, dass auch an der Gliederung was verändert werden musste, war das erneute Abtippen ganzer Seiten die Folge. Dann lieber ohne Gliederung, und so tun, als sei einfach nichts passiert.

Und weiter im Fließtext

Der geheime Witz bei der Sache: Während ich mich standhaft der Erstellung von Gliederungen widersetzte, entwickelte ich in der täglichen Arbeit eine Methode, wie ich Pressekonferenzen übersichtlich und nachvollziehbar mitschreiben oder Protokolle erstellen konnte, die mit wenig Nacharbeit fertig waren. Die Methode basierte immer noch auf der Technologie „Stift auf Papier“, bestand aber darin, dass ich während des Schreibens meine Notizen in Hauptpunkte, Unterpunkte und Unter-Unterpunkte aufteilte; dazu kam bei Pressekonferenzen noch eine Spalte am rechten Rand, in der ich die Uhrzeiten notierte, zu denen der jeweilige Punkt erwähnt worden war, um die O-Töne auf dem Mitschnitt schnell wiederzufinden.

Auf diese Art schrieb ich, vor allem in meiner Korrespondentenzeit, ziemlich viele Notizblöcke voll. Und erst ein paar Jahre später fand ich heraus, dass es dafür auch Software gibt: sogenannte Outliner. Die heißen im verlinkten Wikipedia-Artikel, na, wie heißen sie wohl?

Richtig. Gliederungseditor. Gliederungseditor. Gliederungseditor.

Davon gibt es für Macs einige sehr gute – OmniOutliner war damals das Tool meiner Wahl; in meiner Linux-Zeit habe ich nur einen brauchbaren Outliner gefunden, dessen Namen ich vergessen habe. Aber seit ich mich mit Windows abgefunden habe, benütze ich für meine Notizen – ich gebe es zu! – OneNote, ein Programm des MS Office-Pakets, das ich übrigens auch auf meinen diversen Linux-Büchsen hätte einsetzen können, weil es davon inzwischen eine funktionierende Browserversion gibt.

Der Papst der Outliner aber ist Dave Winer, der in seinem Leben immer wieder Outliner und andere outlinerbasierte Software geschrieben hat. Sein neuestes Kind ist Drummer, das für jeden mit einem Twitter-Account (?) verfügbar ist, und das – wäre es sonst ein Kind von Dave? – auch zum Bloggen taugt. Und wie mir schon gestern mein geheimnisvoller Stamm-Kommentator per Mail mitgeteilt hat: Es gibt jetzt auch Leute, die mit Drummer auf micro.blog bloggen. Weil es geht™.

Während ich überlege, wie weit ich meine Erforschung von Drummer in den nächsten Tagen treiben werde, mache ich im Alltagsgeschäft meine Notizen schon lange und hoffentlich noch lange im Outliner. Nur Gliederungen vermeide ich, soweit es geht.

3 Gedanken zu „Einleitung, Hauptteil, Schluss“

  1. I tried really hard not to hijack the comments for this post again. Really, I did. But I succumbed.

    Because I’ve meanwhile read the article you’ve linked to in your penultimate paragraph above where Micro.blog developer Manto Reece tells about the Drummer – Micro.blog synthesis.
    In the final paragraph of that article, he mentions Maurice Parker’s article: https://vincode.io/2021/10/17/drummer.html article on Drummer and the latter’s own outliner, Zavala: https://zavala.vincode.io/ (meanwhile in the process of being updated to version 2.0)

    And in the final section of that article, Maurice links to a recommended read by Amit Gawande: https://www.amitgawande.com/2021/10/16/getting-started-blogging.html that’s a comprehensive write-up on blogging using Drummer.

    Finally: Maurice blogs on Micro.blog and Amit uses the Hugo & Microblog combo.

    Back to you, Konstantin!

    • Doch, eigentlich schon. Aber eigentlich immer im Feedreader. Kann es sein, dass Feedly spinnt – oder Dein Feed? Oder blieb mir das Thema im Unterbewusstsein stecken, bis ich die Rübe wieder frei hatte? Fragen über Fragen.

      Jedenfalls: Natürlich lese ich den Schockwellenreiter. Gestern, heute, morgen. Und übermorgen.

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