Eine Sache der (Mail-) Freundschaft

Friends don’t let friends use GMail, schrieb ich vor einigen Monaten an die GMail-Adresse meiner Tochter und hängte einen Gutschein für ein Jahr posteo.de bei. Der Gutschein wurde nie eingelöst, und eigentlich hätte ich mir das denken können, denn meine Tochter gehört der Generation an, die E-Mail zwar nutzt, aber eigentlich in Messengern zuhause ist.

Den Satz mit den Freunden, die ihre Freunde etc., habe ich mir letzte Woche wieder durch den Kopf gehen lassen – natürlich erst, nachdem ich den schützenden Aluhut abgesetzt hatte. Denn einerseits bin ich durchaus ein Fan von Google-Technik (die haben immer noch die spannendsten Ideen, auch wenn die eine oder andere davon dann nicht funktioniert), und andererseits… klar, Snowden, NSA, blah, blah, aber gerade Google dürfte n.S. (nach Snowden) erkannt haben, dass das Vertrauen ihrer Nutzer nicht den kleinsten Teil ihres Kapitals darstellt, und meine Daten liegen inzwischen bei Google sicherer als bei anderen US-Anbietern.

Das habe ich mir also gedacht und zehn Monate nach dem Erstkontakt erneut Inbox by GMail angeguckt – also installiert und ein paar Tage alle Mails darüber laufen gelassen. Und, Googlefanboi der ich bin, ich war beeindruckt. Scheiss auf Friends don’t let Friends…, Google rocks.

Doch, tut es wirklich. Inbox by GMail ist sowas wie ein privates Sekretariat für die dito E-Mail, und die Funktion mit der Wiedervorlage bzw. der Erinnerung an Termine, Tasks, Ideen ist schlicht genial. Genial einfach und genial wirkungsvoll.

Rein interessehalber habe ich mich im Anschluss durch mein kürzlich von Doubletten und anderem Müll bereinigtes Adressbuch geklickt. Richtig: Der am häufigsten vorkommende Mailanbieter war nicht etwa GMX oder T-Online, sondern GMail (aber auch die eine oder andere AOL-Adresse ist noch zu finden, hihi). Sollte ich mich in dieser Nachbarschaft doch eigentlich zuhause und heimisch fühlen, wenn sogar Menschen vom Fach ihre Mail über Google-Server laufen lassen.

Wahrscheinlich aber hatte ich den Aluhut nicht weit genug weggelegt. Denn nach ein paar Tagen Inbox-Schwelgerei kamen die düsteren Gedanken wieder. Zwar ist der Satz Quatsch, wonach der, der für einen Dienst nicht bezahlt, selbst die Ware sei – seine Daten sind es, und das stellt bei sinnvollem Umgang mit den Daten doch noch einen Unterschied dar. Aber…

Meine Daten mögen bei Google & Co. sicherer sein als anderswo – genutzt werden sie in jedem Fall, und in einer Weise, die ich nicht kontrollieren kann. Nun sind die meisten der Mails, die ich so bekomme oder schreibe, ohnehin aus der Abteilung Scheissegal – aber eben nicht alle. Und deshalb nutze ich nach dem Kurzurlaub in der Inbox by GMail wieder einen bezahlten, europäischen Mailanbieter, der zumindest verspricht, meine Daten in Frieden zu lassen – bis zum Beweis des Gegenteils will ich ihm das gerne glauben.

Es muss ja nicht gleich posteo.de oder der ähnlich aufgestellte Nachbar mailbox.org sein (darf es aber ruhig, ich kann beide durchaus empfehlen!), aber – und damit schließt sich der Kreis, und der Aluhut sitzt wieder sicher – Friends don’t let friends… Es gibt viel zu tun, packen wir’s an.