Ein Anti-Facebook. Mal wieder.

Steile, aber interessante These: wired.com propagiert als Alternative zu Facebook nicht etwa solche Uralt-Versuche wie diaspora oder ello, sondern…

[Insert Trommelwirbel here]

…die gute olle Email, genauer der dito Newsletter. Und nachdem wir unser Staunen ausgiebig genossen haben, fängt die Sache an, unter bestimmten Gesichtspunkten ein klein wenig Sinn zu machen. Schließlich dient Facebook dazu, mehr oder weniger persönliche Informationen an einen mehr oder weniger persönlichen Freundeskreis zu verbreiten, der sich mehr oder weniger freiwillig bereiterklärt hat, diese Informationen entgegenzunehmen.

Dazu kommt Werbung und ein Haufen Müll, den man so nie haben wollte, aber was soll’s?

Das Ganze jetzt (bzw. genaugenommen schon vor fünf Jahren, aber man muss ja nicht alles sofort mitbekommen) als Newsletter aufzuziehen (powered by MailChimp, von denen jeder von uns auch schon mal Rundmails in der Mailbox hatte), also als eine Infrastruktur, mehr oder weniger persönliche Informationen… (s.o.), ist eine Idee, die man erst mal haben muss. Der Markenname: tinyletter.com. Der Erfolg laut wired.com:

Journalists and techies have flocked to TinyLetter in recent years, slowly building its reputation as the hippest place to publish online.

Journalists? Techies? Hippest place? Es sagt viel über mich aus, dass ich fünf Jahre gebraucht habe, um von diesem hippest place to publish online überhaupt zu hören.

For many users, social media has become impersonal. Facebook algorithmically curates what we see, while Twitter overwhelms us with a firehose of fast-moving content, and LinkedIn is, well, LinkedIn. The most important part of the email newsletter’s appeal is that it still feels intimate—even if you are sending emails to total strangers.

In einem Punkt, glaube ich, irrt der wired.com-Überschriftenredakteur. Wenn ein Newsletter ein Ersatz für etwas ist, dann wohl weniger für das bunte Gewimmel auf Facebook, sondern vielmehr für den persönlichen Ruhepunkt eines… Blogs.

Entsprechend kann ich wohl damit rechnen, dass es fünf weitere Jahre dauert, bis sich der erste der Milliarden Leser dieses Blogs darauf einlässt, Texte wie diesen auch noch nach Hause geliefert zu bekommen:

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powered by TinyLetter

Update, nach dem Safe Harbor-Urteil des EuGH: TinyLetter ist ein Dienst aus den USA, und wer sich dort in eine Liste einträgt, hat seine Mail-Adresse dorthin geschickt. Was nicht überraschend ist. Sollte ich vielleicht eine Alternative in Deutschland einrichten?

1 Gedanke zu „Ein Anti-Facebook. Mal wieder.“

  1. …nach Hause geliefert bekommen…

    Das ist dich schon der Fall, ganz ohne Newsletter! Nennt sich rss feed, wurde schon komplett für tot erklärt, funktioniert für meine Bedürfnisse aber noch ausreichend gut 🙂

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