Dritte Welt

Die Welt ist dreigeteilt. Das ist nicht neu („Gallia tota est divisa in partes tres“, Olle Caesar), aber es ist auch nicht beruhigend – ausser, wenn man – zur Abwechslung – dem dritten Teil angehört. Also…

Der erste Teil, mehr als 80 Prozent, benutzt zum Surfen ein bestimmtes Produkt aus dem Hause Microsoft und sieht sich ungeahnten Gefahren, incl. Problemen bei der Bekämpfung derselben, gegenüber. Der zweite Teil benutzt das eine oder andere Produkt des Hauses AOL und sieht sich wahlweise vor Zwangswerbung, elend lange Ladezeiten oder den Eindruck gestellt, Web-Designer hätten eine Sehbehinderung, die ihnen kleine oder grosse Macken im Design einfach verheimlicht. Der dritte Teil benutzt den Browser, der aus der Kälte kam und hat deshalb Zeit für überraschende Selbsterfahrungstrips.

So geschehen heute abend, angesichts kurzfristig geänderter Reisepläne an der Stätte früher Vergehen und Verbrechen. Mangels wohlgeplanter Alternativen ein Besuch in der Stammkneipe aus Studienzeiten. Und es hat sich nichts geändert (ausser den Bierpreisen): der Laden sieht aus wie vor zwanzig Jahren, das Publikum ist mit dem Laden gealtert, aus der Anlage tönen noch immer Cat Stevens und Leonard Cohen, und sogar die Wirtsleute haben mich sofort wiedererkannt (muss ich damals für Umsatz gesorgt haben!).

Wer heute zufällig auch da war: der Typ mit den grauen Haaren am Tresen, der ein Dunkles nach dem anderen trank und dazu eine Zigarre rauchte (beides Vergnügen, die mir in der Neuen Heimat versagt sind) und dieses verräterisch feuchte Glitzern in den Augen hatte – das war ich.