…do solemnly swear…

Von zwei präsidentlichen Amtseinführungen habe ich, das Januarwetter verfluchend, berichtet; die bisher letzte habe ich ignoriert. Heute werde ich wohl wieder, wenn auch privat, zugucken.

Als George Bush d. J. zum ersten Mal die in der Überschrift zitierten Worte sprach, war in mir, damals in Washington, eine gewisse Müdigkeit. Zu lähmend war der ganze Nachwahlzirkus im November/Dezember 2000 gewesen. Meinen Freunden in Deutschland, meiner damaligen Familie und vor allem mir selbst sprach ich Trost zu: Amerika (und damit die Welt) habe schon ganz andere Präsidenten er- und überlebt.

Heute bezeichnet selbst der härteste Republikaner in meiner Verwandtschaft Bush II als „desaster“, und was er (der 43. Präsident, nicht mein Onkel) und seine Mitverschwörer angerichtet haben, wird den Neuen im Weißen Haus noch mehr beschäftigen, als gut für ihn und Amerika ist.

Jetzt freut sich vor allem Europa auf Präsident Obama wie aufs Christkind – und wird sich noch wundern. Denn ER ist, so erstaunlich es uns vorkommen mag, nur ein Mensch, von großem Charisma und begrenzter Erfahrung, und vor allem nicht allein auf der Welt. Ein Präsident der Nach-Bush-Ära hat, nicht zuletzt dank der verheerenden Auswirkungen von Konzept und Wirklichkeit der neokonservativen Imperial Presidency, international weniger Macht und Einfluss als alle seine Vorgänger seit WW II.

Was Obama hat, ist ein Vertrauensvorschuss. Möge der Vorschuss so lange halten, wie Obama ihn braucht.