Die spinnen, die…

Nicht nur Grund zur Freude (Ausschnitt aus Titelbild des aktuellen Asterix-Bandes "Asterix in Italien")

Nicht nur Grund zur Freude (Ausschnitt aus dem Titelbild des neuen Bandes)

Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich alt werde (überhaupt liegt alles immer daran, dass ich alt werde). Wahrscheinlich sind meine ersten Erfahrungen mit Asterix – wann war das nochmal? 1969? 1970? – einfach schon zu lange her. Wahrscheinlich ist René Goscinny schon zu lange tot (40 Jahre in diesem Jahr). Und wahrscheinlich hält sich die Asterix-Saga eben nicht so frisch wie, sagen wir mal, die von Spirou und Fantasio (und dem Marsupilami! Dem Marsupilami!!!)

Mit meinem ersten Tonbandgerät (nee, nicht Cassettenrecorder – Tonbandgerät!) produzierten wir Asterix-Hörspiele. Mutter, Schwester und ich pflegten über Jahre hinweg eine komplette Asterix-Bibliothek – auf der heimischen Toilette, damit alle immer was zu Lesen hatten. Mit leisem Bedauern nahmen wir wahr, dass Uderzos Bände ohne Coscinny, seinen Texter und Storyschreiber, nicht halb so gut waren wie, na, “Asterix und der Kupferkessel”, “Asterix als Legionär” oder “Asterix bei Kleopatra”. Dann kamen die unsäglichen letzten Asterixbände und dann lange nichts mehr.

Antivirus und Datenflus

Und dann hatte sich Albert Uderzo doch dazu durchgerungen und seine Welt in die Hände von Jüngeren gelegt, in die von Jean-Yves Ferri und Didier Conrad. Und es erschien “Asterix bei den Pikten”, und nunja, die beiden sollten sich erst mal warmschreiben und -zeichnen können. “Der Papyrus des Cäsar”  – hmjaaa, doch, auf dem richtigen Weg, mit (oder trotz) all den Assange-Anspielungen und den Legionären Antivirus und Datenflus.

Und jetzt also “Asterix in Italien”, weil mal wieder ein Reise-Band fällig war (altes Asterix-Prinzip: ein Band spielt mehr oder weniger im gallischen Dorf, einer unterwegs, einer im Dorf…), weil Italien eben mehr ist als Rom, weil die Italer mit Rom nichts anfangen konnten (warum, wird nicht wirklich erklärt), und weil Obelix noch nie die Hauptrolle habe spielen dürfen (was so schlicht nicht stimmt), darf er das Steuer in die Hand nehmen. Die Zügel, meine ich. Beim Rennen durch Italien, von Monza nach Neapel.

Die beknackte Maske

Nun ist die Sache so: Der neue Asterix-Band liegt schon seit einer Woche bei mir. In dieser Zeit sind schon so ziemlich überall treffende Kritiken über den Band erschienen, und sie waren selten freundlich. Der Grund, weshalb ich eine ganze Woche brauche, um meine Enttäuschung in Worte zu fassen?

Am ersten Abend habe ich den Band tatsächlich zweimal durchgelesen – weil ich dachte, es läge an meiner Brille, dass ich die Schrift so schlecht lesen und die Einzelheiten, die doch sicher in jedem Bild verborgen seien, nicht finden könnte. Vielleicht war ich einfach müde, denn die Schrift war bei der dritten Lesung am Wochenende deutlich klarer, aber die vielen optischen Gags hatte ich nicht übersehen – sie waren nicht da. Auch im Text fanden sich nicht so viele wie erhofft.

Dann: Ich finde Italien vom Brenner bis Rom einfach wunderschön (weiter südlich war ich bisher noch nicht), und ich kenne es schon ein wenig. Und wenn mir beim Lesen schon ein- und auffällt, was man noch mit und aus Venexia, Florentia oder Sena Julia (hach, Siena!) hätte machen können, und was die Autoren einfach nicht gemacht haben, und welche müden Scherze ihnen stattdessen eingefallen sind…

Und dann die völlig bescheuerte Idee, den bösen Gegenspieler unter einer witzlosen Maske zu verstecken, um ihn (Spoiler Alert!) zwischendurch gegen Cäsar austauschen zu können – pu-leeze!

Kann passieren

Ja, OK. Kann passieren. Auch in meiner zweiten Lieblings-Comic-Welt, in der von Spirou und Fantasio (und dem Marsupilami!!! – hatte ich das schon erwähnt) gab es Ups und Downs – und diese Reihe ist durch erheblich mehr Hände gegangen, hatte ebenfalls in den sechziger und siebziger Jahren ihre Hoch-Zeit, hat sich aber in jüngster Zeit beachtlich weiterentwickelt und neues Leben entwickelt – aber hallo!

Die Asterix-Saga hat dagegen das Problem, dass sie sich zwangsläufig immer noch an das gleiche Publikum wie damals wendet. Der zeichnerische Stil trifft ziemlich genau, was Uderzo gezeichnet hat, entwickelt sich aber nicht weiter. Die Geschichten sind besser als die der letzten Uderzo-Hefte – was aber leider nicht schwer ist. Und meine Tochter (21) hat mir zum Umzug nach Bonn ein ins Berlinische übersetztes Asterix-Heft geschenkt (gegen das Heimweh?). Sie hat sich über meine Freude gefreut, aber ich habe ihr auch genau angesehen, dass sie meint, dass nur ein alter Zausel™ wie ich sich darüber freuen würde. Weil die Welt sich eben weiter entwickelt hat, auch die der graphic novels (so sagt man heute ja wohl zu dem, was wir damals, kurz nach’n Krieg, Comics nannten, näch…?).

Das blöde daran ist, liebe Asterix-Macher: Wir, eure Zielgruppe, werden langsam alt. Irgendwann sterben wir sogar mal weg. Aber blöd sind wir deshalb noch lange nicht, und unsere Erinnerung an “Die Trabantenstadt” oder den “Kampf der Häuptlinge” ist noch recht lebendig!

Geht krückstockfuchtelnd ab. Wie Methusalix.

2 Kommentare

  1. Tja, warum auch alles fortsetzen? Bill Watterson hat Calvin und Hobbes auch nicht in jüngere Pfoten gegeben. Darf doch auch mal Schluss sein.

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