Die Sache mit Lanz

Petitionen, speziell Online-Petitionen, sind was Feines. Mit einer Unterschrift, im Fall der Online-P. mit einem oder zwei Mausklicks, äußert man seine Meinung, beteiligt sich am demokratischen Meinungsbildungsprozess und hat sofort wieder Zeit, sich Katzenvideos anzugucken.

Kein Katzenvideo
Kein Katzenvideo (Symbolbild)

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich bin ein großer Fan von Online-Petitionen. Und von Katzenvideos. Auch wenn das da links ein Symbolbild ist, weil es nur ein Bild ist und kein Video; aber ich schweife ab.

Da ist seit ein paar Tagen eine Sendung im Gespräch, die ich nicht gesehen habe. Das Nichtsehen der Sendung meinerseits ist nicht auf Sahra Wagenknecht als Studiogast zurückzuführen, auch nicht auf den Moderator Markus Lanz, auf den sich offenbar jetzt alle einschießen. Ich habe diese Sendung nicht gesehen, weil ich der selten gewordenen Ansicht bin, dass abendliche Talkshows nur drei- bis viermal im Monat nötig sind, und weil die des Herrn Lanz nie unter denen ist, die ich dann tatsächlich gucke.

Der öffentlichen Aufruhr entnehme ich jedoch einigermaßen zuverlässig, dass Markus Lanz sich danebenbenommen (was erst einmal Definitionssache ist) und unjournalistische Verhaltensweisen an den Tag gelegt hat (was mich überhaupt nicht wundert, weil eben Markus Lanz, nichwa?). Und es gibt da diese Petition „Raus mit Markus Lanz aus meinem Rundfunkbeitrag„; aktueller Stand heute nacht: 156.764 Unterzeichner plus ein Interview zwischen SParGEL Online und der Initiatorin.

Jau. Bzw. ich glaubs ja nicht.

Weil jetzt das ZDF eine derart hoheitliche Position hat, dass man sich ihm mit Petitionen zu nähern hat anstatt mit Zuschauerpost, Zuschauermail und meinetwegen auch einem (ich hasse das Wort!) shitstorm.

Weil öffentlich-rechtlicher Journalismus in Deutschland zwar unabhängig sein soll, aber die Unabhängigkeit eines Mediums bei 200.000 Unterzeichnern einer Online-Petition ein Ende hat.

Weil es mindestens 156.764 Menschen (darunter „148.269 in Deutschland“, laut dem aktuellen Zählerstand) gibt, die allen Ernstes von einer bundesdeutschen Talkshow Fairness, Ausgewogenheit und eine gründliche Vorbereitung sowie eine dem Erkenntnisgewinn dienende Gesprächsführung seitens des Moderators erwarten. Die aber, wenn eine bundesdeutsche Talkshow diese Eigenschaften aufwiese (<= Irrealis!), geschlossen „Langweilig!“ grölen und zum Programmspender greifen würden. Und womit? Mit Recht. Nicht umsonst laufen solche Sendungen unter der Überschrift „Unterhaltung“.

Och nö. Lanz hat sich danebenbenommen, gezeigt, dass er kein Journalist ist, und meine Vorurteile bestätigt. Wagenknecht hat inzwischen wohl auch eingesehen, dass es nicht die schlaueste Entscheidung war, zu Lanz zu gehen. Den Gebrauch von Petitionen beschränken wir künftig wieder auf Wesentliches. Und damit ist jetzt auch gut.

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