Der Zug der Zeit

Auf Gleis 11 steht bereit… Und dieses Weblog zuckt – „Hm? Wa? Issnlos?“ – aus dem Winterschlaf empor, schüttelt sich das Fell zurecht und fragt sich, was eigentlich so besonders sein soll an diesem Tag, dass schlafende Weblogs aufgeweckt werden müssen. Morgen schreiben wir 2022 (bzw. überlassen das der automatischen Datumsangabe), davor betrinken wir uns alle noch ein bisschen oder auch sehr, stellen fest, dass einige Nachbarn noch Böller vom letzten Jahr übrig haben, nehmen uns dies & jenes vor, und dann?

In zehn Jahren werden wir auf diese Zeit zurückblicken und sagen: „WAAAS? Das geht jetzt schon zwölf Jahre so?“

Quelle: Internet

Genau mein Humor.

OK. In ein paar Stunden ist 2021 Geschichte, und das Jahr wird 2022 heißen – und die Englischsprechenden denken kurz daran (oder auch nicht), dass 2022 auf Englisch wie „2020, too“ (Quelle: Internet) ausgesprochen wird. Mein Arbeitgeber, und mit ihm vermutlich noch viele andere, wird auch weiterhin die Rückkehr ins Büro als hehres Ziel ausrufen und im Zweiwochenrhythmus nach hinten verschieben. Wir – also diejenigen, die nicht an irgendwelche Schwurbler verloren gegangen sind – werden uns demnächst den Termin für den zweiten Booster sichern. Und die jeweilige Lage wird sich weiter dadurch auszeichnen, wie oft wir die Maffke aufsetzen müssen, wie lange wir sie zwischendurch absetzen dürfen, wieviel unnötig Kranke den knappen Platz auf Intensivstationen blockieren etc.

Währenddessen gibt es noch andere Krisen, die immer wieder aus dem Blickfeld geraten – oder nur dann wahrgenommen werden, wenn solche Rituale wie die Vierschanzentournee (wir erinnern uns: strahlender Neujahrshimmel, schneebedeckte Berge, warm verpackte, begeisterte Zuschauermassen im Stadion) inzwischen im Dauerregen, auf Kunststoffunterlagen und ganz ohne örtliches Publikum stattfinden. Was den Sinn neujährlicher Fernsehrituale zumindest teilweise in Frage stellt – nur gut, dass wenigstens das Neujahrskonzert in der (leeren???) Halle stattfindet.

Ich habe schon in den letzten beiden Jahren an dieser Stelle (und an dieser auch) eher unlustige Rückblicke verfasst, und wenn das Weblog nicht zufällig aufgewacht wäre, hätte ich es diesmal bleibengelassen. Weil, und heute ist zwar 2021, aber auch Freitag. Und morgen ist 2022, aber auch Samstag. Und sonst ist nix.

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