Der Schwarzschreiber, das Auto und ich

Der Schwarzpenner

Der Schwarzpenner

Der Arzt, ach was, die Ärzte (im deutlichen Plural!) haben mir verboten, mich unnötig aufzuregen. Deshalb lese ich nie (nun ja, selten) Kommentare unter Heise.de-Artikeln, und ich lese so gut wie nie die Kolumnen von Jakob Augstein und Jan Fleischhauer bei SParGEL online. Augstein nicht, weil ich, was er schreibt, in der Mehrheit seit Jahren verschwurbelt und wenig zielführend finde. Fleischhauer nicht, weil er eine konservative Klickhure ist es erkennbar vor allem darauf anlegt, mit schwarzen Thesen die Klickzahlen bei SPON zu steigern.

Nun, Ausnahmen bestätigen die Regel.

Jan F. und der Untergang der Wohlstandsgesellschaft

Und deshalb habe ich mir Fleischhauers Text „Sag zum Abschied leise Polo“ angetan. Es ist eine Apokalypse, in der er den Untergang der Wohlstandsgesellschaft als direkte Folge von Dieselskandal und verändertem Autokaufverhalten heraufbeschwört.

Das ist so hanebüchen, dass ich glaube liebe hoffe fürchte, dass Fleischhauer diesen Quark zur Abwechslung wirklich ernst meint.

Wie üblich, bin ich dann aber an einem eher nebensächlichen Gedankengang hängengeblieben. Denn, so hub Fleischhauer an und schrub:

Als ich bei DriveNow anrief, erklärte mir eine freundliche Stimme, dass ein Elektro-BMW vollgetankt realistisch 140 Kilometer zurücklegen kann, bei beanspruchender Fahrweise auch weniger. 140 Kilometer, bevor man an die nächste Steckdose muss: Das taugt als Kita-Bringwagen, aber nicht als ernst zu nehmendes Transportmittel.

Aha. Mal ganz abgesehen davon, dass im Hause Fleischhauer offenbar nicht der Jan Mann den Kita-Fahrdienst übernimmt: Ich würde Fleischhauer gerne fragen – und frage im Zuge dessen erst einmal mich, weil ich schon mal da bin: Was ist an 140 km Reichweite im Alltag so falsch?

Die weit entfernte Kita als Argument

Es mag ja sein, dass die Kita, die Fleischhauer seinem Nachwuchs gönnt, weiter als 70 km entfernt liegt. Es mag auch sein, dass Spiegel-Kolumnisten weder zuhause noch in der Tiefgarage des Verlages eine Steckdose finden. Es mag schließlich auch sein, dass der Spiegel seine Mitarbeitern für Dienstreisen dazu zwingt, jeden Tag hunderte von Kilometer am Steuer zu verbringen. Mein Arbeitgeber packt mich aus Sparsamkeit lieber in den Berlin-Shuttle und grummelt schon, wenn ich bahncardgestützt mit der Bahn fahren will.

Mag ja alles sein. Ich erinnere mich jedoch an meine aktiven Autofahrerzeiten (soo lange liegen die auch noch nicht zurück). Und ich glaube zu wissen, dass ich von 365 Tagen an höchstens, allerhöchstens 14 Tagen mehr als 100 km an einem Tag zurückgelegt habe, Urlaubsfahrten eingeschlossen. Und an den allermeisten Tagen stand das Auto sinnfrei im Hof herum.

Mir reicht’s

Also, mir würde eine Reichweite von 140 km reichen, Herr F. Kein Grund zur Häme über reichweitenbegrenzte E-Autos.

Dazu kommt aber, dass ich seit meinem Umzug nach Bonn noch nicht einmal mehr Zugang zu DriveNow oder Car2Go habe. Mein im Auto zurückgelegter täglicher Weg geht also rapide gegen Null – und es geht auch.

Was beim Nachdenken über Fleischhauers Klickstrecke herauskam:

  1. Sollte ich irgendwann doch wieder ein Auto kaufen (aus der derzeitigen Sicht: wozu?), wird es mit großer Wahrscheinlichkeit ein Stromer sein.
  2. Die Fleischhauer-Lektüre werde ich mir künftig wieder sparen. Ich rege mich doch nur auf – und wenn es über dummerhaftige Viertelargumente wie das zitierte geht.

Korrektur: Denkfehler – Wenn F. den Elektro-BMW zur Kita-Kutsche degradiert, dann ist es wohl so, dass die Kita im Fleischhauerschen Universum das Einzige ist, das weniger weit als 70 km entfernt liegt. Ändert aber nix an meiner Schlussfolgerung No.1.

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