Der Rewe-Verschwörung auf der Spur

Nicht mein Kühlschrank

Nicht mein Kühlschrank

Regelmäßige Leser dieser Seiten (ja, alle beide) haben dieses Bild eines etwas willkürlich gefüllten Kühlschranks schon einmal gesehen – über dieser Geschichte über einen Reinfall mit der Liefergesellschaft, wie ich den Alltagskonsum in Zeiten von Next Day oder sogar Same Day Delivery mal nennen möchte.

Damals, als ich den ersten Reinfall mit dem Rewe-Lieferservice erlebte, war der Fahrer schlicht drei Stunden nach dem vereinbarten Lieferzeitraum gekommen und hatte mich eher ranzig am Telefon gefragt, warum ich denn nicht zu Hause sei, um die Lieferung abzunehmen. (Antwort: Ich hatte die Lieferung mit Absicht auf den Vormittag gelegt, weil ich nachmittags im Büro zu sein hatte – that’s why!)

Warum nur, warum?

Nun stellt sich dem einen oder anderen meiner beiden Leser vielleicht die Frage, warum ich mir überhaupt Lebensmittel ins Haus liefern lasse. Einerseits natürlich, weil es geht™, andererseits aber auch, weil ich (außer in Momenten wie diesen) ganz glücklich ohne Auto lebe, allerdings in einer reinen Wohngegend. Die nächste Einkaufsmöglichkeit ist vier Bushaltestellen entfernt. Und ich möchte am Samstagmittag nicht unbedingt mit sechs vollen Einkaufstaschen in den dito Bus einsteigen.

Habe ich es also noch ein paar Mal versucht, und es klappte auch – bis die freundlichen, wenn auch stressgeplagten Rewe-Fahrer aus meinem Leben verschwanden und durch nicht weniger geplagte DHL-Fahrer ersetzt wurden. Von da an ging’s bergab.

Nun ist es so: Wenn ich schon andere Leute mit meinen Einkäufen belästige, dann soll es sich auch lohnen – einen Kopf Salat, sechs Tomaten und einen Tetrapak Milch kann ich gerade noch selbst transportieren. Sogar mit dem Bus. Hatte ich also vor zwei Wochen eine Bestellung im Wert von fast € 100 abgeschickt, die leider erst am frühen Samstagabend kommen sollte. Was dann kam am nicht mehr ganz so frühen Abend (um 21 Uhr), war ein völlig überarbeiteter DHL-Fahrer, der mir zwei Packen Pumpernickel und eine Packung Schnittbrot geben und dafür eine Unterschrift für eine komplette Lieferung wollte.

Alles oder nichts

Das Problem mit dem Logistik-Weltmarktführer ist nun, dass er nicht Rewe ist, und dass seine Fahrer deshalb auch nicht diese schicken Handhelds dabeihaben, auf denen man jeden einzelnen Artikel als geliefert bzw. nicht geliefert abhaken kann. Bei DHL-Lieferungen gilt beim Unterschreiben das Alles-oder-Nichts-Prinzip. Und im Nachhinein und per Mail zu diskutieren, dass drei Packungen Industriebrot nicht die ganze Lieferung sein könnten und deshalb auch nicht so abgerechnet werden dürften… Nun ja.

Der arme Mann durfte also vor zwei Wochen das Brot wieder mitnehmen, und zwei (oder drei – ich weiß es im Wirbel der Ereignisse nicht mehr) Callcenter-Wesen mussten sich wortreich bei mir entschuldigen. Damit konnte ich nur schwer umgehen, denn die Wesen konnten nun nichts dafür. Entschuldigungen annehmen von Leuten, die nichts verbockt hatten, ist einfach nicht einfach. Nur ein Gutschein über € 15 konnte mich umstimmen, und ich nahm die Entschuldigungen an.

Hallo Umwelt (Rewe-Einkaufstasche)

Hallo Umwelt – (K)Einkauf mit Rewe

Heute nun sollte wieder eine Großlieferung kommen (und der Gutschein eingelöst werden…). Zuerst das Positive: Der Fahrer war sehr pünktlich. Nun das nicht so Positive: Es war ein DHL-Fahrer, und von 38 Rechnungsposten fehlten 13. Und weil der DHL-Fahrer wieder nur das Alles-oder-nichts-Gerät der DHL dabei hatte (und auch, weil er versuchte, meine Unterschrift zu bekommen, bevor ich merken konnte, dass ein Drittel der Bestellung fehlte), durfte er den ganzen Kram wieder mitnehmen. Incl. der nicht mitgelieferten Katzenstreu, auf die der Kater so sehnsüchtig wartete.

Gejammer auf hohem Niveau

Nun weiß ich: Das alles ist eindeutig ein First World Problem. Der nächste Real Life-Supermarkt ist nur die erwähnten vier Busstationen weit weg, und meine Gesundheit ist nicht so angeschlagen, dass ich nicht auch selbst einkaufen könnte. Was aber ist mit denen, deren Gesundheit eben nicht so beisammen ist? (Und ja, ich gebe zu, dass ich recht konkrete Angst habe, dass es bei mir irgendwann in nicht ferner Zukunft auch so könnte.)

Eine Verschwörungstheorie

Downtown Bad Godesberg (heftig gefiltert)

Downtown Bad Godesberg (heftig gefiltert)

Aber wahrscheinlich ist das alles Absicht. Diejenigen, die tatsächlich darauf angewiesen sind, dass man ihnen ihre Einkäufe bringt, sind sicher in der Datenbank gekennzeichnet, so dass nur freundliche Rewe-Fahrer mit den praktischen Rewe-Geräten kommen. Wir anderen Luxusgeschöpfe können gefälligst unseren Luxusarsch hochkriegen und selbst zum Einkaufen fahren. Dann sterben einerseits Innenstädte nicht weiter aus (s. Bild). Andererseits müssen Kurierfahrer, die ohnehin zu den schwer Ausgebeuteten dieser Gesellschaft gehören, nicht ganz so gestresst durch die hood gondeln.

Ich habe verstanden. Ich habe euch durchschaut. Und jetzt fahre ich mit dem Bus zum Einkaufen.

Zu Aldi. (“Wie? Schon zu?”)

2 Kommentare

  1. Da kann ich wohl von Glück reden, hier bei uns geht das mit Sainsbury’s sehr gut. Hatte vor einem Jahr eine Operation und durfte für mehrere Wochen nichts tragen, nicht Autofahren. Die Fahrer haben alles nach einer kurzen Erklärung zu mir in den zweiten Stock und sogar in die Küche geschleppt.
    Immer komplett bzw wenn mal was nicht vorrätig war einen Ersatzvorschlag den ich glaube ich für den Originalpreis bekommen habe wenn der Ersatz teurer war.

    • Schwein jehabt, wa? (Es spricht der Ex-Berliner…)

      Übrigens: Nach Informationen aus dem Kollegenkreis macht Rewe das nicht erst seit gestern. Umso seltsamer, dass von neun Bestellungen drei in die Grütze gegangen sind. Könnte mir vorstellen, dass entweder andere mehr Glück haben oder die Kundenfluktuation sehr hoch ist.