Der De-Regulator

Idee für einen Hollywoodfilm: Der De-Regulator, weil -ator immer gut kommt, ob bei Münchner Starkbieren oder Filmen mit Arnold Schwarzenegger. Ab Folge zwei ist der Titel mit der jeweiligen Ordnungszahl zu ergänzen, also De-Regulator 2.0, De-Regulator 33⅓ etc.

Inhalt: Die Welt wird von Bürokraten beherrscht. Um sie als solche kenntlich zu machen, tragen sie Ärmelschoner am Ärmel und Stempelkissen am Revers; ihre Dienstausweise sehen aus wie Bahnsteigkarten. Sie verstehen sich als Regulatoren, haben als Kinder schon davon geträumt, Eisenbahnfahrpläne zu schreiben, wenn sie mal groß sind, und weil Eisenbahnfahrpläne inzwischen von der Abteilung Dokumentation in die Abteilung Belletristik gewandert sind (huhu, Deutsche Bahn AG!), suchen sie eben nach anderen Feldern, die sie regulieren können.

Auftritt Cecilia Malmström.

Sie ist laut Wikipedia Politikwissenschaftlerin und Politikerin der Liberalen Volkspartei (was immer das heißen mag), sie ist EU-Kommissarin für Innenpolitik, und sie ist, diesmal laut dem lawblog, „eine Befürworterin von Netzsperren“. Damit hat sie sich für die Rolle des Bösewichtes qualifiziert, denn unter ihrer Verantwortung entsteht CleanIT:

ACTA ist zwar in der Versenkung verschwunden, doch innerhalb der Europäischen Union wird weiter fleißig an einer Überwachung des Internets und einer Einschränkung der Bürgerrechte gearbeitet. CleanIT heißt ein jetzt ins Blickfeld gerücktes EU-Projekt. Dessen Name ist durchaus Programm. (Quelle)

Es schlägt einen Maßnahmenkatalog vor,

dessen Kontrolldichte der des Iran oder anderer autoritärer Staaten kaum nachsteht. Das entsprechende Dokument hat die Bürgerrechtsiniative “European Digital Rights” jetzt veröffentlicht.

Wie es sich für einen guten Film gehört, bleiben die Pläne der Bösen nicht geheim. Wir können also beim Schreiben des Films gleich zu den Actionszenen übergehen (denn ganz unter uns: Dieses ganze Ermittlungsgetrödele ist doch eher was für Tatort-Kommissare, oder?).

Auftritt des De-Regulators. Er macht die Pläne der Bösen bekannt, sorgt dafür, dass die Guten (also wir alle) aufrichtig empört sind, und zwingt die Regulatoren, sich zu schämen, künftig lieber wieder an Bahnfahrplänen zu basteln und das Freie Internet™ in Frieden zu lassen.

Als De-Regulator stelle ich mir selbstverständlich nicht Arnold S. vor. Er sieht auch 2012 noch so aus, als könne er Esc-Tasten mit einem Anschlag in die Tischplatte nageln, und selbst er kann Pretty Good Privacy nicht mit einer Hand bedienen, während er mit der anderen ein Motorrad durch Feuerreifen steuert.

Nein, der De-Regulator muss andere Eigenschaften haben. Er muss in der Lage sein, einer großen Mehrheit überzeugend zu erklären, dass CleanIT ebenso wie andere Projekte zur Übernahme der Weltherrschaft nichts mit Terrorbekämpfung und nur sehr wenig mit der Bekämpfung von Kinderpronografie zu tun haben, dafür aber sehr viel mit dem Versuch, ein zum freien und gleichen Austausch von Ideen angelegtes Medium im Interesse bisheriger Machthaber (politischer wie wirtschaftlicher Art) einzuschränken. Der Re-Regulator muss in der Lage sein, verständlich, mit gewinnendem Lächeln und einer starken erotischen Ausstrahlung technische Zusammenhänge klarzumachen (OK, an dieser Stelle scheitert das Projekt dann wohl…) und die stillen Massen dazu aufzurufen, nicht mehr ganz so verdammt still hinzunehmen, was demokratisch nur sehr teilweise legitimierte Institutionen so vorhaben.

Und wenn jetzt Netzpolitiker aus allen demokratischen Parteien der Republik begeistert „hier!“ schreien und schon von einer Hollywood-Karriere träumen: Ich sagte „verständlich, mit gewinnendem Lächeln und einer starken erotischen Ausstrahlung“. Ihr seid also nicht gemeint.

Ich sehe schon, das wird schwierig.

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