Der Briefkasten vor dem Briefkasten

Gestern war’s, in der Mittagspause, da spülte mir Twitter diesen Tweet auf den Bildschirm:

Tweet: Zum ECSM bekommst du von uns einen Briefkasten! 📬 Da kannst du all den Spam, die Newsletter und Emails empfangen, die du in deinem privaten Postfach nicht haben willst. Und deine private Email bleibt: privat. Relax mit Firefox Relay.
(Prachtvoll, nicht? Twitter-Screenshot von poet.so, einfach verlinkt mit dem Original-Tweet und deshalb trackerfrei!)

Das scheint langsam Mode zu werden, das mit den Wegwerfadressen zum Schutz vor Spam und anderen Schweinigeleien.

  • Meine Lieblingssuchmaschine DuckDuckGo arbeitet an sowas; Zugang zur Warteliste bisher aber nur über den mobilen DuckDuckGo-Browser (für Android wie für iOS).
  • Apple bietet iCloud-Plus-Abonnenten mit iOS 15 etwas ähnliches an und macht so im Grunde für die (zahlende) Allgemeinheit zugänglich, was es bisher schon für App-Entwickler gab; die bekamen nämlich nicht die Adressen zahlender Kunden, sondern eine solche Relay-Adresse, über die sie die Kunden erreichen konnten, ohne deren Adresse zu kennen. Das Angebot ist allerdings gut versteckt: in den Einstellungen unter Apple ID > iCloud > E-Mail-Adressen verbergen.
  • Mein Mail-Provider bietet sowas an, und ich habe es auch schon einmal (!) genutzt – ausgerechnet für den Newsletter von Edward Snowden.
  • Und jetzt eben auch Firefox (ohne dass man einen Firefox-Browser nutzen muss – die Sache ist über jeden Browser erreichbar).

Gemeinsam ist allen Lösungen, dass man sich eine oder mehrere Adressen nach dem Schema xxxxxxxxxx@relay.firefox.com (oder @privaterelay.apple.com, oder @temp.mailbox.org) erzeugt und die an Menschen, Tiere, Institutionen vergibt, von denen man Mail bekommen möchte, denen man aber vielleicht nicht zutraut, wirklich gut mit den anvertrauten Mailadressen umzugehen. Der/die/das Mensch schickt seinen Kram dann an die Relay-Adresse, und Firefox/Apple/DuckDuckgo etc. leitet sie an die eigene Mailbox weiter. Und wenn der/die/das Versender trotz mehrfacher Willensbekundung nicht aufhört, Mail zu schicken, lässt sich die Weiterleitung auch blockieren. Oder löschen.

Gemeinsam ist allen mir bisher bekannten Lösungen auch, dass sie mit Subdomains arbeiten (relay.firefox.com), was nicht von allen Versendern akzeptiert wird (sie werden schon wissen, warum).

Die Idee ist nicht neu – Trashmail aus Stuttgart bietet das schon seit 19 Jahren an. Aber die Angebote von Apple, Firefox u.a. zeigen, dass da Bedarf besteht (oder vielleicht auch erst jetzt entdeckt wird).

Ich vertraue ja seit Jahren auf die Spamfilter meiner diversen Dienstleister und bin nur selten davon enttäuscht. Als ich aber kürzlich mal wieder in die Inbox meines weitgehend verwaisten GMail-Accounts guckte (dessen Adresse seit 2005 in der Welt und offenbar weit herumgekommen ist), sah ich, dass täglich bis zu 120 (!) Spammails im Spamordner landeten, während pro Woche nur zwei oder drei Mails zu mir weitergeleitet wurden von Leuten, die immer noch meine GMail-Adresse im Adressbuch haben. Die Adresse ist also – wenn auch von Googles Spamfilter weitestgehend beschützt – ziemlich verbrannt. Und damit mir das mit meiner derzeitigen Adresse nicht auch passiert, sollte ich vielleicht etwas öfter Wegwerfadressen benutzen.

2 Gedanken zu „Der Briefkasten vor dem Briefkasten“

  1. An old ‚hack‘ to make sense of who is sending what is using email aliases.

    Most respectable email services allow for them: https://www.popsci.com/set-up-email-alias/

    Gmail specific instructions:
    https://support.google.com/a/answer/33327?hl=en
    and
    https://support.google.com/mail/answer/22370?hl=en

    Also, use pixel tracking prevention: https://www.theverge.com/21319293/gmail-reading-email-tracking-pixels-how-to-prevent-block-chrome
    I’m using the Ugly Email addon for Firefox and it works fine. The old ‚don’t load images automatically‘ setting is disruptive IMHO (as is the ‚read emails as HTML‘ option)

    • Actually, Google allows the creation of aliases for GMail for business (or whatever it is called now) only; what they call an alias in the context of personal GMail is just another mailbox that you have to own, which is then forwarded to GMail and can be used as sent-from address from within GMail. Feasible, but not exactly an alias.

      And this is exactly why I created too many mailboxes over the last couple of years – instead of using plain forwarding addresses to begin with. Again, I’ve known Trashmail for almost the entire time it exists now – and rarely used it.

Kommentare sind geschlossen.