Selbst-De-Struktion eines De-Bakels

Dass die De-Mail, der bundesdeutsche Irrweg auf dem Weg zur sicheren digitalen Kommunikation, ein untaugliches Mittel zur Erreichung dieses Ziels ist, wissen wir schon länger. Dass es ausschließlich aus der Sicht eines Gesetzgebers Sinn hat, das untaugliche Mittel per Gesetz zu einem tauglichen zu machen, leuchtet jedem Nicht-Gesetzgeber spätestens nach einer Sekunde Nachdenken ein. Und spätestens seit letztem Dienstag weiß auch der durchschnittliche SParGEL-Leser (also jeder), dass die De-Mail ein De-Bakel ist (wg. Leistungsschutzrecht zitiere ich hier nichts, obwohl Herr Lobo ziemlich durchgehend Recht hat – zitiert euch doch selbst™).

Was mir neu war: Irgendwie scheint sich das auch in die Reihen der künftigen Anbieter dieser unsicheren, weil eben nicht von Sender zu Empfänger verschlüsselten Mail herumzusprechen. Anders kann ich mir das Verhalten des De-Mail-Anbieters GMX langsam nicht mehr erklären: Dort tut (bzw. lässt) man offenbar alles, um De-Mail gar nicht erst auf die Kunden loszulassen.

Man muss ja seine Feinde kennen, und deshalb versuche ich seit dem ersten Bekanntwerden der De-Mail-Angebote, einen Account zu bekommen. Eine Eigenschaft der De-Mail ist ja, dass nicht der Absender einer Nachricht rechtswirksam unterschreibt, sondern (auf die Idee muss man auch erst einmal kommen) der Provider. Dazu muss der Provider wissen, mit wem er es auf Kundenseite zu tun hat. Das urdeutsche Wort „Ausweiskontrolle!“ (nur echt mit dem Ausrufezeichen!) kommt ins Spiel.

Und genau die kommt nicht zustande. Zunächst wollte GMX ja das ebenso umständliche wie lästige, aber immerhin bekannte PostIdent-Verfahren verwenden; das wollte aber die Post nicht, weil sie mit ihrem E-Post-Brief ein eigenes Angebot im Angebot hatte (inzwischen will die Post mit De-Mail-Produkten nichts mehr zu tun haben – zu Recht). Dann hatte irgendjemand die Idee, De-Mail-Interessenten zum nächstgelegenen Paketshop eines Privatversenders zu schicken – was daraus geworden ist, weiß ich nicht; ich war nicht dort, und es hat auch keiner nachgefragt.

Und jetzt versucht es GMX mit einem Botendienst: Der Kunde vereinbart mit der Callcenter-Dame des Dienstes einen Termin zur Ausweiskontrolle! (Nur echt mit dem Ausrufezeichen!) und soll an diesem Termin beweisen, dass er ist, wer er ist. Nur dass der Bote dann nicht kommt zum vereinbarten Termin und es auch nicht für nötig hält, anzurufen. Und das nicht nur ein-, sondern jetzt schon zweimal.

Weißte was, GMX, und weißte was, De-Mail? So gut muss ich meine Feinde nun auch wieder nicht kennen. Spielt alleine in eurem De-Sandkasten; ich gehe einstweilen zur Post zum türkischen Zeitungsladen an der Ecke, Briefmarken kaufen. Für die Behördenbriefe, die ich auch im 21. Jahrhundert noch ausdrucken und zum Briefkasten tragen werde.

Update, einen Tag später: Gerade erfahre ich via Email, dass die Identifizierung nicht hatte stattfinden können, weil

die Adressdaten, die Sie bei der Registrierung angegeben haben, nicht existieren oder nicht eindeutig verifiziert werden konnten.

Ich fürchte, das würde meinen Arbeitgeber sehr traurig stimmen, wenn er erführe, dass das Bürohaus, für das er im Monat ichweißnichtwelche Summen an Miete bezahlt, gar nicht existiert bzw. dass die teure Leuchtschrift an der Fassade des nicht existierenden Gebäudes doch nicht ausreicht, um dem Fahrer die nötige Sicherheit zu geben, mal auszusteigen und anzuklopfen.